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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 355

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Aufbruch der Jugend
Date
1933-12-01
Page
355 (sequence 3)
Language
German
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Aufbruch der Jugend volleren Lebens. Hier Hegt eine der Ursachen für die außerordentlich hohe Bewertung, die das Leben in der Jugendbewegung für sehr viele junge Menschen besitzt. Es eröffnet sich ihnen eine neue Dimension ihres Lebens, von der sie fühlen, daß sie eine sehr starke Bereicherung bedeutet Es ist die Tragik der Jugendbewegung, daß diese Dimension nur selten mit gesellschaftlichen Realitäten erfüllt werden konnte. Der Gemeinschaftswille verdichtet sich nur hin und wieder zur neuen gemeinschaftlichen Tat. Dennoch ist festzuhalten, daß die Jugendbewegung die wichtigste Einrichtung zur Erziehung und Entwicklung des Gemeinschaftswillens der Jugend ist. Dabei scheint uns ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Gemeinschaftswillen der herrschenden politischen Bewegung in Deutschland, der viele Elemente des Gemeinschaftswillens der Jugendbewegung enthält, und dem Gemeinschaftswillen der jüdischen Jugendbewegung zu bestehen. Die jüdische Jugendbewegung geht immer wieder vom Einzelnen aus und wertet die Gemeinschaft unter dem Gesichtspunkt der Förderung des Einzelnen. Trotz der Betonung des Gemeinschaftsgedankens liegt hier also eine individualistisch-humanistische Auffassung vor, während der Gemeinschaftsgedanke des neuen Staates vorwiegend kollektivistisch ist. In soziologischer Hinsicht hängt die ..Jugendbewegungsfähigkeit" von einer ganzen Reihe von Umständen ab. Sie werden am deutlichsten, wenn wir uns fragen, welche Schichten der jüdischen Jugend durch die Jugendbewegung erfaßt werden. Sucht man die soeben aufgeworfene Frage auf Grund der beruflichen Lage der Jugend zu beantworten, so kommt man zu dem für die jüdische und die nichtjüdische Jugendbewegung übereinstimmenden Ergebnis, daß zur Jugendbewegung Lernende» Unzufriedene, Praktikanten, aber niemals Praktiker gehören. Diese soziologische Beobachtung ist die Anwendung der vorher entwickelten psychologischen Feststellung, daß zur Jugendbewegung niemals fertige, sondern immer nur in der Entwicklung begriffene Menschen stoßen. Bei der überragenden Bedeutung, die der Frage der Arbeit im Leben jedes einzelnen Menschen zukommt, kann es nicht wunder nehmen, daß die Stellung im Arbeitsprozeß, die Frage, ob jemand lernt, und zwar sowohl in der Schule, Hochschule als auch in der Fabrik, oder ob er bereits fertig ist, von maßgebendem Einfluß für die Einordnung in die Jugendbewegung ist. Gehören demnach zur Jugendbewegung vom Standpunkt der Stellung im Arbeitsprozeß aus die Lernenden, so gehören der Herkunft nach zu ihr die Jugendlichen aus dem Kleinbürgertum einschließlich ihrer oberen und unteren Nachbarschichten. Da- 356

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