Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Die "Kameraden"
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 346 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Erirh /fir.'cfiberg: Di<! „Kameraden" Bitterkeit und Verzweiflung. Jenen jungen Juden, die durch jüdische Bünde hindurchgegangen sind, ist keine Welt zerbrochen, auch wenn ihnen oder gar ihrer jungen Familie manches Glück und die bürgerliche Existenz zerbrochen ist. Sie hatten frühe etwas von der Abenteuerlichkeit und Unsicherheit des Lebens geahnt, machen sich nun gefaßt auf den Weg zu neuen Anfängen und scheuen sich nicht, sich und ihre Kinder auf die Notwendigkeiten der neuen Lage umzustellen. Sie laufen auch nicht Gefahr, die Ereignisse als eine Episode anzusehen, deren Ablauf man nur abzuwarten brauche, sondern sehen in ihnen den in der Form überraschenden, aber im Grunde vorausgesehenen Ausdruck einer Zeitwende im Denken der Völker, das sich auf allen Lebensgebieten von der individualistischen Betonung des Rechtes Einzelner zur Suprematie der Gemeinschaft, heiße sie Staat, Nation, Volk oder Bund, umstellt. Die Frage, ob die bisherige Gestalt und Zielsetzung der jüdischen Bünde auch die der Zukunft sein wird, wird in wesentlichen Punkten zu verneinen sein. Zunächst wird die bisher sorgsam gehütete ,.Autonomie der Jugend" in der Gestalt der Organisationen einem stärkeren Einfluß älterer Führer weichen müssen, wenn nicht die Arbeit schon an äußeren, außerhalb des Judentums liegenden Widerständen scheitern soll. Die Zersplitterung der jüdischen Bünde wird einer viel stärkeren Zusammenfassung Platz machen müssen, wie das überraschend schnell bei den Bünden der deutschen Jugendbewegung geschehen ist, die auch in ihrer Vielzahl Vorbild der jüdischen Jugend gewesen sind. Soweit erkennbar, hat auch die jüdische Jugend schon soviel von der neuen Zeit verstanden, daß sie sich solchen Notwendigkeiten heute leichter als früher fügen wird. Das Gemeinschaftsleben der kleinen Kreise und Gruppen soll unberührt bleiben; es ist die stärkste Quelle seelischer Erneuerung. Aber diese Gemeinschaften müssen mehr als bisher sich einordnen lernen in das große Gebilde jüdischer Jugend, das jetzt aufgebaut werden muß, um sich gegenüber anderen Mächten zu behaupten. Mit dieser Einordnung muß auch mehr Fühlung und Verständnis für die nicht bündische, teils gar nicht, teils vereinsmäßig organisierte Jugend erzielt werden, deren Entwicklung vielleicht über die jüdische Zukunft auf deutschem Boden entscheiden wird. In der Zielsetzung wird man des Beistandes derer, die aus Wissen und Erfahrung die Richtung des jüdischen Weges maßgebend zu weisen vermögen, nicht mehr entraten können. Diese Zielsetzung der Bünde, muß — nur soviel ist im Augenblick zu sagen — aus erzieherischen wie aus ideologischen Gründen noch schärfer nach der jüdischen Richtung gelenkt werden. Wie auf der einen Seite kein jüdischer Bund auf 346