Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Die "Kameraden"
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 343 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die „Kameraden" wird, daß vielmehr in mannigfacher Beziehung jüdische Art sich in spezifischen Eigenschaften und Leistungen ausprägt. Es lag ja zutage, daß viele — auch nichtzionistische — Juden, obwohl sie es sich nicht immer eingestanden, dem Glauben ebenso entfremdet waren wie so viele Nichtjuden der gleichen Bildungswelt. Auf diese Wahrheit neuerdings laut und vernehmlich hingewiesen zu haben, war das geschichtliche Verdienst des Zionismus, dessen tiefe Würdigung eine unfruchtbare und flache Gegnerschaft zu dieser Bewegung ausschloß. Die religiöse Richtung jener Gruppe verlangte grundsätzlich danach, daß das Religiöse ebenso den ganzen Menschen erfasse und bilde, wie auf Fahrt das Erlebnis der regsamen Natur oder der ans Innere greifenden Beziehung von Mensch zu Mensch wcscnsbildend wirkte. Aber auch diese religiös empfindenden Menschen begriffen — gerade wegen ihrer hohen Ansprüche — die Schwierigkeit religiöser Erneuerung, wie sie sich auch ihres eigenen Suchens und Tastens bewußt waren. Die weitaus größere Zahl der jüdisch Gerichteten, die solche religiöse Kraft sich nicht zutrauten, hatten auf der verbreiterten Basis jüdischer Grundhaltung andere Möglichkeiten jüdischen Strebens gefunden und ergriffen sie. Diese Menschen empfanden in ihrer angestammten, vom Jüdischen her ererbten und gewordenen Art den Wert, den es — schon um der erstrebten Ganzheit des eignen Wesens willen — zu erhalten und zu pflegen galt. Der von der deutschen Jugendbewegung her genommene Wert der Gemeinschaft erhielt seine besondere jüdische Note. Freilich hat der deutsche Jude vieles vom Deutschtum erworben, was schließlich zu seinem Erbgut geworden ist. Auch eine dogmatisch starre Rassegläubigkeit, die die Vererblichkeit erworbener Eigenschaften verneint, berührt nicht die Bedeutung der Tatsache, daß der deutsch-jüdische Mensch durch die Tradition der ihm vorangehenden, in deutscher Kultur lebenden Generationen entscheidend mit geprägt ist. Aber nicht nur in der vielfältig vorhandenen Uebereinstimmung im Denken und Fühlen mit Menschen anderer Abstammung, sondern wesentlich in der artmäßigen Besonderheit wurde die Funktion des Lebendigen erblickt, und damit ergab sich die Notwendigkeit jüdischer Gemeinschaftsarbeit. Im eigenen Kreise bedeutete das das Bewußtsein, daß jede in jüdischer Gemeinschaft geleistete Arbeit — gleich welchen Inhalts — eine jüdische Gemcinschaftsleistung darstellte, wenn sie nur die Erhaltung jüdischen Wesens zur Voraussetzung hatte. Daraus ergab sich die Betrachtung der Dinge von einem jüdischen Blickpunkt aus, wie es bei manchen Tagungen versucht wurde, z. B. durch die Aussprache in Oberhof 1925 über die Stellung der Juden im deutschen Volke. Darüber hinaus war man sich zwar klar, daß man sich das Judentum wieder erarbeiten mußte, daß mit dem 343