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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 342

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Die "Kameraden"
Date
1933-12-01
Page
342 (sequence 4)
Language
German
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Erich Hirschberg war es schon früher in den Bünden. Vor dem ersten Reichsbundestag der Kameraden 1921 erfolgte der erste grundsätzliche Schritt zu einer Verbreiterung und Vertiefung der jüdischen Basis des Bundes durch eine Darlegung: der Charakter der jüdischen Jugendbewegung vertrage im Bunde nicht jüdischindifferente Menschen oder Trotzjuden, sondern nur positivjüdisch Gesinnte, seien diese nun Juden aus Religion oder aus verpflichtendem Stammesbewußtsein. Dabei trug man dem weiten Weg, den so viele Einzelne zu gehen hatten, dadurch Rechnung, daß man von ihnen nicht schon „bewußtes Judentum", sondern vorerst nur den „Willen zum Judentum" erwartete. Hingegen wurde es damals schon als eine Forderung der Ehrlichkeit angesehen, daß der Einzelne sich nicht etwa hinter das Bekenntnis einer von ihm selbst nicht empfundenen Religion flüchtete. Diese Forderung führte auf dem Bundestage in Metzlersreuth 1921 zum ersten Male zum Auszug derer, die nach ernster Prüfung ein solches Bekenntnis nicht abgeben konnten. Hingegen blieb immer weiter die Frage offen, in welcher Weise der Bund zu den jüdischen Forderungen Stellung zu nehmen hätte. In der Folgezeit vollzog sich auf der einen Seite, bei den jüdisch Erfüllten, eine wichtige Weiterentwicklung, während auf der anderen Seite Gleichgültigkeit, mitunter auch Ablehnung des jüdischen Zieles Platz griff. Die jüdisch-positive Gruppe, die sich zunächst um den „Alterenbund der Kameraden" sammelte und diesen durch Zuwachs aus anderen Gruppen, z.B. dem Berliner Jüdisch-Liberalen Jugcndvercin und der Deutschjüdischen Jugendgemeinschaft, verstärkte, nahm eine besondere Entwickelung, die noch zu schildern sein wird. Der andere Bundesteil, in dein nur noch als Einzelne eine Anzahl aufs Jüdische Gerichteter zurückblieb, sah sich sogar zum Ausschluß einer dem jüdischen Ziel allzu stark entfremdeten Gruppe gezwungen, konnte aber auch dadurch nicht wieder jüdischen Boden gewinnen. Diese Bundesrichtung hat denn auch für die jüdische Entwickelung der Jugend keine Bedeutung mehr erlangt; für sie erschöpfte sich das Judesein in der bloßen Registrierung eines Abstammungsvorganges ohne eine verpflichtende oder bekräftigende Note; sie brachte also, und zwar auch in manchen ihrer Führer, gerade das wieder, was in Mctzlersreuth abgelehnt worden war. Hingegen hat die aufs Jüdische gerichtete Gruppe eine Entwicklung genommen, die von höchst aktueller Bedeutung geblieben ist und deshalb eingehende Darstellung verdient. Sie ging aus von der Erkenntnis, daß die ausschließliche Auffassung des Judentums als Religion — also nach dem von den christlichen Religionen übernommenen Sprachgebrauch als Glaubensbekenntnis — der Weite des jüdischen Wesens nicht gerecht 342

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