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Der Morgen · 1933-12-01 · Heft 6 (Dezember 1933) · p. 341

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 6 (Dezember 1933)
Article
Die "Kameraden"
Date
1933-12-01
Page
341 (sequence 3)
Language
German
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Die „Kameraden" es bezeichnenderweise zur Annahme der Satzung nicht gekommen, weil man das bewegte Leben nicht in Buchstaben pressen wollte. Die hier begonnene Entwicklung hat auch späterhin niemals nachgelassen. Sie wirkt heute noch fort, wo sich Nachfolgebünde jenes alten Bundes finden. Sie kann als Ursache dafür gelten, daß die Aelteren dieser Bewegung sehr rasch die Blässe des liberalistischen Gedankens auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet einsahen und — mit als erste in den deutschjüdischen Kreisen außerhalb des modernen Zionismus — daraus ihre Folgerungen zogen. Freilich hat diese Entwicklung es auch verhindert, aus dem Bunde eine Massenorganisation jüdischer Jugend zu machen, weil man bei der Auswahl des Einzelnen vorsichtig auf seine Einfügung in die Gruppengemeinschaft und in das Bundesbild bedacht war. Im Gegensatz zu der eindeutigen Linie, in der das Leben der deutschjüdischen Bünde seine Form und seine allgemeinen Bildungsinhalte von der deutschen Jugendbewegung hernahm, gestaltete sich die jüdische Entwickelung überaus wcchselvoll. Ja, hier wird man fragen dürfen, ob überhaupt von einer Vorwärtsentwickelung des jüdischen Bundesinhalts gesprochen werden kann. Es gab eigentlich keinen Bundestag, bei dem nicht die jüdischen Forderungen auf eine Gegenmeinung trafen, die entweder nicht gewillt war oder sich außerstande erklärte, jüdische Forderungen an sich zu richten. Verwunderlich kann das nicht erscheinen, wenn man sich im klaren ist, wie weit bei der großen Masse der deutschen Juden ein wurzelstarker Zusammenhang mit dem Judentum verlorengegangen ist. Man muß es gerade in so persönlich gestaltetem Gruppenleben erlebt haben, wie sich so viele vergeblich um „jüdische Erneuerung" bemühten, um einzusehen, daß große Unterlassungssünden begangen worden sind, wenn man mit zelotischem Eifer die „Assimilanten" verschmäht und geschmäht hat, anstatt sich ihrer ernsthaft anzunehmen. Man muß es sich klar machen, daß damals wie auch heute die jüdische Erneuerung ihren breitesten Boden finden mußte in den Lagern des dem Judentum entfremdeten, allenfalls in einem Scheinliberalismus verharrenden, bürgerlichen Stadtjudentums. Dort aber waren die Widerstände am stärksten, die nicht etwa von schlechtem Willen, sondern von einem abstrakten, in Weltethik und Aesthetik erstarrten Lebensbilde herkamen. Es sind das jene Kreise, in denen an Menschentum und Menschlichkeit appelliert, dabei aber vergessen wird, daß der Mensch dieser Erde in dem tragenden Boden seiner leiblichen Gemeinschaft, der jüdische Mensch also in seiner jüdischen Gemeinschaft wurzeln muß. Wie wir heute — unter der Wucht der Ereignisse — Rückkehrer sehen, die guten Willens sind, aber nicht wissen, wie sie die Umkehr anfassen sollen, so 341

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