Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1933)
- Article
- Die "Kameraden"
- Date
- 1933-12-01
- Page
- 340 (sequence 2)
- Language
- German
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Erich Hirschberg bewegung mit ihren Vorzügen und Gefahren, ihrem „Heil und Fieber", inbegriffen. Die Wanderung war nicht Ausflug, sondern Fahrt, in allwöchentlicher Regelmäßigkeit ohne Rücksicht auf Wetter und Jahreszeit, die Führer waren nicht jugendpflegerische Ältere, die gute Lehren gaben und nachher sich außerdienstlich und privat fühlten, sondern mit ihrer Gefolgschaft lebende Menschen, die durch ihr Beispiel vorlebten. Gruppe und Zug bildeten Gemeinschaften, in denen eine persönliche und herzliche Zuneigung ihrer — übrigens fast immer nach Geschlechtern getrennten — Mitglieder erstrebt wurde. Eine solche Gruppe, die mit dem Führer an der Spitze eine überpersönliche Einheit mit einheitlichem Lcistungswillen und Ehrgeiz bildete, sah ihr Leistungsziel nicht in der Herausstellung individueller Rekorde, sondern in der Darstellung von Kollektivleistungen (z. B. beim Wettsingen oder bei Turnspiclcn). Zucht und Ordnung waren geboten, aber nicht auf äußeren Befehl, sondern von innen her verlangt. Uniformierung war nicht beliebt; nur bei Aufmärschen zu größeren Treffen ging man im Gleichschritt in gelöster Haltung; stets trug man einfache unbürgerliche Kleidung, Kniehose, Ledergurt, Windjacke. Mit der Vorstellung von Zug und Gruppe, die in Gaue und schließlich in den Bund mündeten, entstand eine von reinem Streben verklärte Sehnsucht nach einer großen, weitgespannten Gemeinschaft, in die der Einzelne sich einordnete, der er sich anvertraute. Im Jahre 1923 hieß es gelegentlich eines Versuchs der „Grundlegung des Bundes": „Der Bund will eine Gemeinde werden von Menschen, deren Leben bestimmt ist von einer Grundhaltung aus. Diese Haltung steht nicht als eine neben anderen, sondern sie gibt allen unseren Haltungen Richtung und eigenes Gepräge", und von derBimdesleitung hieß es, sie bestelle aus Menschen, „die durch ihr Vorbild und ihre Persönlichkeit dem Heranreifen der Gemeinde am besten dienen". Ein Bund solcher Zielsetzung bedeutete strenge innere Zucht ebenso wie äußere Einordnung in die größere Einheit. Als Bund freilich war man exklusiv, kritisch und anspruchsvoll gegenüber den größeren Einheiten, den Massenorganisationen und öffentlichen Einrichtungen. Daß aber die „Autonomie", das Eigenleben der Jugend, immerhin auch sich selbst Grenzen setzte, dafür ist folgender Vorgang bezeichnend. Als man gelegentlich der Bundestagung 1921 daran dachte, dem Bunde eine Satzung zu geben, benutzte man als Vorbild Sätze der Jugendtagung vom Hohen Meißner aus dem Jahre 1913. Während aber dort erklärt wurde, die Jugend wolle ihr Leben gestalten „mit innerer Wahrhaftigkeit und im Bewußtsein ihrer Verantwortung gegen sich selbst", wurde hier an dieser Stelle hinzugefügt „und gegen die Allgemeinheit" und damit der sozialen Pflicht eindeutig Ausdruck gegeben- Uebrigens ist 340