Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Juden in Spanien
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 330 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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die republikanische Presse eine ablehnende Haltung. Die klerikale Presse hingegen versuchte, ihrem Leserkreise die Motive des deutschen Antisemitismus klarzumachen und näherzubringen, um von vornherein jeder jüdischen Emigranteneinwanderung entgegenzuarbeiten. Trotzdem entstand in Pariser Emigrantenkreisen das Gerücht, daß in Spanien die aus Deutschland geflüchteten Juden mit offenen Armen aufgenommen würden. So begann denn auch in den letzten Aprilwochen eine starke jüdische Flüchtlingseinwanderung nach Spanien. Verfügten die einzelnen Emigranten über einige Mittel, so war es ihnen nicht schwer, in einem kaufmännischen Betrieb Unterkommen zu finden. Schwierig stand es jedoch um die Mittellosen und insbesondere um mittellose Intellektuelle. Wenn auch die Zahl derspanischen Arbeitslosen im Verhältnis zu anderen Ländern sehr gering ist (auf 21 Millionen Einwohner kamen nach der neuen Statistik nur 2S9 000 Vollarbeitslose und etwa 270000 Kurzarbeiter, also insgesamt etwa 550000 Arbeitslose), so lastet diese Arbeitslosigkeit doch fühlbar auf dem im Aufbau begriffenen Staate. Die Agrarreform, die das Arbcitslosenproblem beheben würde (denn 75«'o der spanischen Arbeitslosen sind Landarbeiter), ist in ihren Anfängen stecken geblieben. Industrie besteht kaum, aber soweit sie existiert, ist auch hier die Arbeitslosenziffer höher als für die Volkswirtschaft tragbar wäre. Die Intellektuellenberufe sind überfüllt. Im letzten Jahr wurden daher innerhalb der Arbeitsgesetzgebung besonders strenge Sperrmaßnahmen gegen Ausländer erlassen. Nur solche Arbeiter, die in Spanien fehlen, also qualifizierte Industrie-Facharbeiter und sprachkundige Handelsangestellte, bekommen unter Umständen Arbeitscrlaubnis. Besonders streng aber sind die Arbeitsbestimmungen für Ausländer in den freien Berufen. Man verlangt z. B. von einem Arzt, Zahnarzt, Juristen oder Architekten, daß er zur Niederlassung in Spanien die spanische Nationalität erwirbt, die nach frühestens fünf Jahren erteilt wird, und daß er sämtliche spanischen Schul- und Universitätsexamina semesterweise nachholt. Folgender Fall mag die Lage beleuchten. Kurz nach der Machtübernahme der NSDAP, übersiedelte nach Madrid ein getaufter jüdischer Spezialarzt. Er kam nach Spanien, weil er bereits die spanische Sprache beherrschte und hier als wissenschaftliche Kapazität bekannt war und konnte deshalb auch rasch die spanische Staatsangehörigkeit erwerben. Man beschloß, ihm im Rahmen der normalen Universitäts-Semersterprüfungcn ein Sonderexamen zu bewilligen. Dieses Examen ging bis zur 23. Prüfung von I | | Dzc Jlesec des „Morc/en" j j Ub de& Wee&ec j für den „Morgen" J I___i 330