Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Juden in Spanien
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 329 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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zahl belief sich auf etwa 20—30, in der Hauptsache Sepharden. 1921 besaß diese Gemeinde etwa 47, im September 1922 bereits 91 Mitglieder. Im Jahre 1924 verminderte sich die Zahl wieder auf 64. Als Spanien 1931 Republik wurde, verbreitete sich in ganz Europa das Gerücht, daß die neuen Herren Spaniens bereit seien, die bis heute fühlbar auf dem Lande lastenden wirtschaftlichen und kulturellen Folgen der Judenausweisung von 1493 durch Annulierung der damaligen antijüdischen Gesetze wiedergutzumachen und jüdischen Einwanderern nach Spanien staatliche Unterstützung zu gewähren. Insbesondere sollten Scpharditen repatriiert, jüdische Schulen zugelassen, mit Krediten unterstützt und die Einrichtung von Gemeinden, denen ein Rabbiner vorsteht, offiziell gebilligt werden. Es fand damals auch eine jüdische Hochzeit statt, die der Oberrabbiner von Gibraltar vornahm, und die den Auftakt für die neue judenfreundliche Politik Spaniens zu geben schien. Von da ab stieg die jüdische Einwanderung nach Spanien etwas an, allerdings nicht erheblich. Heute hat die jüdische Gemeinde von Barcelona etwa 160 Mitglieder. Die madrider Gemeinde, die erst seit dem Jahre 1925 besteht, zählt heute 26 eingetragene Mitglieder. Die frühere Mehrheit der sephardischen Juden hat heute einer Mehrheit von Askenasim Platz gemacht. Man muß aber zu den in den Gemeinden eingetragenen Juden eine bei weitem größere Anzahl nicht statistisch geführter jüdischer Einwanderer rechnen. In Madrid beispielsweise gibt es eine Oberschicht reicher Juden, zu der etwa 10 Familien gehören mögen, die weder auf die Gemeinde, noch auf ihre Abstammung Wert legen. Einige Intellektuelle und Viele nicht zur Gemeinde gehörige Ostjuden, die etwa die doppelte bis dreifache Ziffer der in der Gemeinde Eingetragenen ausmachen, vervollständigen das statistische Bild. Außer in Madrid und Barcelona gibt es noch vereinzelte jüdische Familien in Valencia, Sevilla, Orense, Vigo, Gijon und Bilbao. Insgesamt könnte man den Bestand .der vor März 1931 in Spanien ansässigen Juden auf etwa 1000 Familien beziffern. Das ist bei 21 Millionen Einwohnern Spaniens und etwa 50000 ansässigen Ausländern keine nennenswerte Zahl. Das spanische Bürgertum hat im Grunde für Antisemitismus wenigVerständnis. Die 10CO jüdischen Familien unterscheiden sich äußerlich so wenig von den Spaniern, daß man sich gar keine Rechenschaft über ihre Abstammung ablegt: für den Spanier gelten sie als Franzosen, Deutsche, Türken oder Polen! — Der Spanier stellt sich unter einem Juden einen schmutzigen Händler und Hausierer mit Ringellocken und mit Kaftan vor, der von Dorf zu Dorf zieht. Es gibt sogar unter den kirchenergebenen ländlichen Analphabeten manche, die glauben, die Juden seien Abkömmlinge des Teufels und an ihrer. Teufelsschwänzen zu erkennen. Auch der Klerus selbst hat, in seiner jahrhundertealten Machtstellung durch die. Trennung von Staat und Kirche bedroht, zeitweise scharf gegen eine angebliche „staatliche Judenbevorzugung" Stellung genommen. Als in Deutschland der Boykott gegen die Juden erfolgte, zeigte 329