Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 5 (November 1933)
- Article
- Juden in Spanien
- Date
- 1933-11-01
- Page
- 328 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden in Spanien Seit dem Jahre 1493, den Tagen der Judenvertreibungen aus Spanien, hat in diesem Lande die Judenfrage als solche keine Rolle mehr gespielt. Tauscndc von Familien waren unter dem Druck des Klerus nach den Niederlanden, nach Frankreich, Italien und der Balkanhalbinscl ausgewandert. Tausende anderer, die sogenannten Maranen, traten, um üeld und Leben zu erhalten, zum Katholizismus über. In der ersten Zeit nach ihrem Glaubensübertritt scheint ihnen die neue Religion jedoch vielfach nicht der rechte Ersatz für die alte geworden zu sein. Immer wieder überliefern die Kirchengcrichtsakten aus dem 15. und 16. Jahrhundert an katholischen Bürgern vollzogene Strafen: Geldbußen, Haft und sogar Todesurteile wurden über Bürger verhängt, die sich durch Einhaltung von Sabbatruhc, Schächten von Vieh, Beschneidung von Neugeborenen männlichen Geschlechts, also durch dem Katholizismus fremde Religionsriten, als schlechte Katholiken und Ketzer verdächtig gemacht hatten. Dann schweigt die spanische Geschichtsforschung mehrere Jahrhunderte über das Kapitel Juden. Die getauften Maranen hatten sich inzwischen vollständig assimiliert, ihnen selbst ist ihre jüdische Abstammung in den seltensten Fällen bewußt. Nur manche spanische Namen, insbesondere solche, die von Städten oder Berufen abgeleitet sind, verraten, daß einst ein jüdischer Vorfahr in der betreffenden Familie existiert haben muß. Trotz der in ganz Spanien eingetretenen Vermischung der Juden mit der spanisch-arabischen Bevölkerung, die zwischen dem Spanier und dem Juden einen äußerlich rassenmäßigen Unterschied nicht erkennen läßt, hat sich doch noch ein fast rassereiner sephardischer Stamm in Spanien erhalten können. Es handelt sich um die auf die Balearcn und von dort nach Katalanien übersiedelten Maranen. Der Spanier nennt sie Judeos. Sic wohnen hauptsächlich in einem bestimmten Stadtviertel von Palma de Mallorca. Nur ungern geben sie zu, daß sie Sepharditen sind. Die Inselbevölkerung, mißtrauisch und fremden Elementen gegenüber zurückhaltend, steht ihnen noch heute, nach fünf Jahrhunderten ihres Sicdlertums,ablehnend gegenüber. Eine Vermischung durch Heirat mit den übrigen Inselbewohnern hat daher so gut wie gar nicht startgefunden. Erst um das Jahr 1370 etwa tauchten in Spanien askenasischc Juden als Einwanderer auf. Sie ließen sich in Madrid und Barcelona, einige auch in Valencia nieder. Es handelte sich jedoch um Einzclfamilien, die bald in der spanischen Bevölkerung aufgingen. Während des Weltkrieges hatte sich die jüdische Einwanderung in Spanien — speziell aus Deutschland und Österreich — rasch vergrößert. Auch einige türkische Juden, die bisher in Frankreich gewohnt hatten, waren nach Spanien gekommen. Damals begann man bereits, während der hohen jüdischen Feiertage Gottesdienste abzuhaken. Im Jahre 1919 wurde dann in Barcelona die erste jüdische Gemeinde gegründet. Ihre Mitglieder- 328