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Der Morgen · 1933-11-01 · Heft 5 (November 1933) · p. 325

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 5 (November 1933)
Article
Kulturarbeit der deutschen Juden
Date
1933-11-01
Page
325 (sequence 2)
Language
German
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heitscharakter der heute in Deutschland regierenden Macht ist die Ausdehnung auf das ganze Reich in absehbarer Zeit wahrscheinlich.) Die Regierung zeigt ein gewisses Interesse an der Existenz einer jüdischen Organisation, die die starken Kräfte der geistig interessierten jüdischen Bevölkerung binden und wohl gerade dadurch von ihrer Einflußnahme auf die allgemeine deutsche Situation ausschalten soll. Aber selbstverständlich hat sie zugleich ein Interesse daran, daß diese Kulturarbeit sich in keinem Punkt mit einer Tendenz durchsetzt, die der Deutschland beherrschenden Staatsmacht etwa feindlich wäre. Schon deshalb wird wahrscheinlich die Entscheidung für eine zentrale Gestaltung der jüdischen Kulturbewegung fallen. So ist denn auch schon im November dieses Jahres eine Zusammenkunft aller interessierten Personen und Gemeindevertreter in Berlin in Aussicht genommen, bei der man die Form eines allgemeinen Kulturbundes deutscher Juden für das Reich beraten will. Praktisch wird es darauf ankommen, wie man die Berliner Kräfte in Gastspielen des Theater-Ensembles, der konzertierenden Künstler, der Vortragenden für das Reich fruchtbar macht und wie zugleich doch die lokalen Kräfte, die in anderen deutschen Großstädten sicherlich vorhanden sind, vor allem jüdische Musiker, auch Vortragende, vielleicht aber auch Schauspieler, materiell und geistig „in Nahrung gesetzt" werden können. — Es wird dann zu erwägen sein, wie die Arbeit über die Großstädte hinausgreifen und gerade die jüdischen Menschen in den kleinen Gemeinden erfassen kann, die einer geistigen Erhebung wohl ganz besonders bedürftig sind. Vielleicht wird man dort, wo die Zahl der Aufnehmenden zu gering ist, um einen Besuch der Künstler und Dozenten möglich zu machen, dazu kommen, den Besuch der kleinen Gemeinden in der nächsten, Großstadt für den Abend solcher Kulturdarbietungen zu organisieren. Sind das Aufgaben, die sozusagen in die soziale Breite der Kulturarbeit führen, so gibt es andere, die in die Tiefe des kulturell Notwendigen reichen. Schon wird vielfach der Plan einer jüdischen Buchgemeinschaft erörtert, die, wenn nicht innerhalb des Kulturbundes, so doch unmittelbar neben ihm und in Wechselwirkung mit seinen Bestrebungen zu schaffen wäre. Denn es ist ja unleugbar, daß auch Verlagswesen und Buchhandel heute nicht mehr in alter Weise das Bedürfnis des Juden in Deutschland befriedigen, und daß neue Wege gefunden werden müssen, um diese wichtigsten Besitzstücke geistigen Daseins den Bedürftigen zu vermitteln. — Auch die Idee eines jüdischen Films ist schon aufgetaucht, der die zahlreichen aus der Produktion ausgeschlossenen jüdischen Kräfte in Bewegung setzen und den besonderen Interessen jüdischer Zuschauerschaft durch Thema und Darstellung entsprechen würde. Doch sind gerade auf diesem Gebiet die materiellen Voraussetzungen so außerordentlich groß und schwierig, daß sich hier vermutlich zu allerletzt eine Lösung finden wird, die über einen einzelnen Fall hinausgeht 325

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