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Der Morgen · 1933-10-01 · Heft 4 (Oktober 1933) · p. 278

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 4 (Oktober 1933)
Article
Zentralausschuss der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau
Date
1933-10-01
Page
278 (sequence 3)
Language
German
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kommt hierbei dem Ausbau des bestehenden jüdischen Kreditwesens zu, für das die osteuropäischen Hilfsinstitutionen ein Vorbild abgeben können. Um eine Vereinheitlichung des jüdischen Darlehnskassenwesens durchzuführen, wurde die Zentralstelle für jüdische Darhhnskassen gegründet. Ihr stehen jetzt Kreditmittel der American Joint Reconstruction Foundation zur Verfügung. Es bestehen bisher 45Dar- Ichnskassen, von denen mit Hilfe der Zentralstelle 22 ausgebaut werden konnten. Diese Kassen sind für die Erhaltung eines lebensfähigen jüdischen Mittelstandes, insbesondere des Handwerkes, von entscheidender Bedeutung. Ein weiteres Gebiet der Wirtschaftshilfe ist die Arbeitsvermittlung. Diese ist eng verknüpft mit dem Problem der Berufsumschichtung. Tausende von jüdischen Jugendlichen sehen sich gezwungen, oft mitten in der Vorbereitung, ihren Beruf aufzugeben. Die Umstellung auf einen neuen Beruf stellt an diese Menschen außerordentliche Anforderungen. Eine vollständige Wandlung der Ansprüche an Lebensstandard, eine Umwertung der Begriffe von der gesellschaftlichen Wertigkeit der Berufe ist die Voraussetzung. Die Jugend ist erfreulicher Weise überall bereit, sich auf den Boden der Tatsachen zu stellen und ihr Schicksal ganz zu bejahen. Die Zentralstelle für Wirtschaftshilfe hat begonnen, die Berufsumstellung zu organisieren. Am wichtigsten sind hierbei die ganz Jungen, bei denen es sich noch nicht um Berufsumstellung im eigentlichen Sinne, sondern um Berufsentscheidung handelt. Man hat berechnet, daß mindestens 3000 Jugendliche im Jahre betreut werden müßten und daß die Versorgung dieser Jahrgänge durch Unterbringung in Lehrstellen und Lehrwerkstätten etwa 90 000 RM. im Monat erfordern. Schwieriger ist noch die Frage der Bcrufsumstellung der jungen Menschen, die bereits einen Beruf hatten, in dem sie nicht mehr tätig sein können. Es kommen hierfür mindestens 5000 Menschen in Frage, von denen etwa 2000 aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden müßten. Eine neue Berufsausbildung, die ein Jahr dauert, erfordert etwa 600 RM. pro Kopf, wobei die Einrichtungskosten der Lehrwerkstätten noch nicht eingerechnet sind. Das sind riesige Summen, aber es sind produktiv angelegte Gelder, durch die es einer ganzen Generation ermöglicht werden soll, sich eine neue Zukunft aufzubauen. Unter den Männern, die in Berlin bis zum Juli in die Berufsumschichtung hineingingen, waren 6S°o vorher in kaufmännischen Berufen; ein weiterer großer Prozentsatz wurde von ehemaligen Akademikern gestellt. 60".« der Männer gingen in die Landwirtschaft oder Gärtnerei, bei den Frauen wurde am häufigsten die Schneiderei gewählt. 500 jüngere Menschen befinden sich zur Zeit in handwerklicher Ausbildung, weitere 500 werden im Laufe des Jahres folgen. Annähernd 1000 Menschen machen zur Zeit ihre landwirtschaftliche Ausbildung durch. Neben den bestehenden und neueingerichteten Lehrwerkstätten und Ausbildungsgütern sollen auch die verschiedenen Heime der jüdischen Anstalten und Heime der Gemeinden und Organisationen mit herangezogen werden. Sie kommen besonders für 278

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