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Der Morgen · 1933-10-01 · Heft 4 (Oktober 1933) · p. 279

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 4 (Oktober 1933)
Article
Zentralausschuss der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau
Date
1933-10-01
Page
279 (sequence 4)
Language
German
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die Ausbildungskurse für jüdisches Hauspersonal in Frage, nach dem gegenwärtig eine starke Nachfrage besteht. Es wird jedoch nicht gelingen, durch Berufsumschichtung allein die jüdische Not zu lösen. Nicht alle deutschen Juden werden in Deutschland erhalten werden können. Darum nimmt die Vorbereitung einer geregelten Auswanderung einen großen Raum in dem Aufgabenkreis des Zentralausschusses ein. Es ist hier die Rückwanderung, die allgemeine Auswanderung und die Auswanderung nach Palästina zu unterscheiden. Die Beratung des Einzelnen, die Bereitstellung von Rciscmirteln liegt in den Händen des Hilfsvercins der deutschen Juden. Vor planloser Auswanderung rät man ab, unterstützt nur solche Fälle, bei denen ein sinnvoller Plan vorliegt. Die Rückwanderung ausländischer Juden in ihre Heimat wird gefördert. Bisher haben etwa 6000 ausländische Juden, besonders Angehörige der Oststaaten, Deutschland verlassen. Einen besonderen Raum im Budget der Wanderungsfürsorge nimmt selbstverständlich die Unterstützung der Palästinawanderung in Anspruch. Die für Berufsumschichtung aufgewandten Beträge kommen gerade dieser Auswanderung zugute. Der riesige Aufgabenkreis des Zentralausschusses kann nur mit Unterstützung aller deutschen Juden gelöst werden. Wer heute noch das Glück hat, in erwerbender Stellung zu sein, muß wissen, daß auf die Dauer nicht kleine Beiträge, wie man sie zu üblichen Sammlungen gibt, sondern nur fühlbare Opfer, die sich der einzelne auferlegt, helfen können. Keiner von uns weiß, ob er nicht schon Morgen selbst auf der Seite der Empfangenden stehen wird. Wer die jüdische Jugend von heute kennt, der weiß, in welchem Maße sie von festem Willen zu Umstellung und Neuorientierung beseelt ist. Ob sie es durchsetzen will, ihr Leben weiter auf deutschem Boden zu führen, ob sie in einem anderen Lande sich eine Existenz aufbauen will, in beiden Fällen ist es eine unabweisbare Pflicht des deutschen Judentums, ihr zu helfen. Tausende von älteren Glaubensgenossen, die nicht mehr zu einer Berufsumstellung in der Lage sind, blicken auf die jüdischen Hilfsinstitutionen mit banger Sorge. Für sie alle müssen Mittel bereitstehen. Wenn der Zentralausschuß seine Arbeit durchführen soll, ohne unnötige Summen für unproduktive Propaganda zu verschwenden, muß er von allen jüdischen Stellen in der Werbung unterstützt werden. Es darf keine Veranstaltung stattfinden, deren erste 10 Minuten nicht dem Bericht über die Arbeit des Zentralausschusses und der Werbung für seine Sammlungen gewidmet sind. Jede Nummer einer jüdischen Zeitung muß eine Spalte dieser Aufgabe öffnen. In guten Zeiten treu zu seinem Judentum zu stehen, ist nicht sehr schwer, erst die Periode des Unglückes bringt die wahre Bewährung. Unsre Väter waren in Zeiten der Not immer am größten. Das deutsche Judentum wird jetzt den Beweis durch echte Opferbereitschaft anzutreten haben, daß es seiner Väter würdig ist. Friedrich Brodnitz. 279

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