Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1933)
- Article
- Zentralausschuss der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau
- Date
- 1933-10-01
- Page
- 277 (sequence 2)
- Language
- German
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Leitung von Dr. Leo Baeck steht, sind die führenden jüdischen Verbände, sowie die wichtigsten jüdischen Institutionen vertreten. Es gehören ihm an: der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, die zionistische Vereinigung für Deutschland, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe, der Hilfsverein der deutschen Juden und das Palästinaamt; außerdem noch der Vorsitzende der Berliner jüdischen Gemeinde, Direktor Heinrich Stahl, und Dr. Karl Melchior-Hamburg. Die Geschäftsführung des Ausschusses liegt in den Händen der Herren Dr. Walter Alexander, Dr. Werner Senator und Dr. Ludwig Tietz. Der Zcntralausschuß (Berlin-Charlottenburg, Kantstr. 158) hat in den ersten Monaten seiner Tätigkeit bewußt auf eine größere Publizität verzichtet und lediglich durch die Herausgabe von Informationsblättern seinem Mitarbeiterkreis die notwendigen Mitteilungen zugehen lassen. Mehrere Monate angestrengter Arbeit waren notwendig, um durch Konzentration aller Kräfte das Fundament für eine großzügige Hilfsarbeit zu legen, mit dem der Zentralausschuß in einer Werbebroschüre „Hilfe und Aufbau" nun vor die breitere jüdische Öffentlichkeit tritt. In knapper Darstellung wird der Gang und die Methodik der Arbeit des Ausschusses geschildert. Eine bildliche Übersicht über Umfang und Verteilung der Arbeitsgebiete, photographische Aufnahmen aus Einrichtungen der Berufsumschichtung beleben die Schilderung. Zunächst galt es alle den angeschlossenen Organisationen für das Hilfswerk zufließenden Gelder bei der Kassenverwaltung des Zentralausschusses zu konzentrieren, um diesen Fond nunmehr nach einheitlichem Plane zu verteilen. Kultureile, soziale und wirtschaftliche Aufgaben sucht der Ausschuß auf konstruktivem und produktivem Wege zu lösen. Die Aufrechterhaltung der jüdischen Wohlfahrtspflege erfordert zunehmende große Geldsummen. Insbesondere sind die kleinen Gemeinden nicht mehr in der Lage, von sich aus diese Arbeit zu leisten. Systematische Reisen in besonders gefährdete Gebiete entrollten ein erschütterndes Bild jüdischer Not und brachten das Material für einen planmäßigen Einsatz der Kräfte. Reisefürsorgerinnen werden in die kleinen Orte geschickt, um an Ort und Stelle Erhebungen zu machen, Ratschläge zu erteilen, Hilfsgesuche zu prüfen, freie Stellen, insbesondere für Berufsumschichtung zu ermitteln und um einen Stab von Vertrauensleuten zu b«*Mcr. Mit der reinen Wohlfahrtshilfe läßt sich die Not nicht konstruktiv beheben. Daher wurde die Zentralstelle für jüdische Wirtschaftshilfe vom preußischen Landesverband gegründet und dann zu einer zentralen Leitung für das ganze Reich ausgebaut. Sie unterhält Beratungsstellen für alle Berufe, eine Abteilung für Wirtschaftsberatung und Wirtschaftsplanung, die einen Vermittiungsdienst eingerichtet hat. Die Arbeit dieser Institution, die dem Zentralausschuß angegliedert ist, gilt der Erhaltung der einzelnen Existenz durch Beratung, Stützung, Kreditgewährung sowie der Hilfe für die Gesamtheit durch großzügige Wirtschaftsplanung. Eine entscheidende Bedeutung 277