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Der Morgen · 1933-10-01 · Heft 4 (Oktober 1933) · p. 272

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 4 (Oktober 1933)
Article
Frankreich als Einwanderungsland [Rezension]
Date
1933-10-01
Page
272 (sequence 2)
Language
German
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Folgen einer Masseneinwanderung sind, doch die Vorteile für Frankreich im allgemeinen „längst nicht aufwiegen". Die wirtschaftlichen Risiken — Kosten der Übersiedlung, Abzug der Ersparnisse und Abhängigkeit der Volkswirtschaft von der Einwanderung — brauchten im wesentlichen bei den jüdischen Einwanderern nicht befürchtet zu werden. Als volkswirtschaftlichen Nutzen der Einwanderung erblickt Mauco die Tatsache, daß der ausländische Arbeiter mehr produziert als er verbraucht, daß er den Wohlstand vermehrt, nicht ihn aufteilt. Voraussetzung ist aber eben, daß der Einwanderer, wenn er kein Kapital mitbringt, I fandarbeit leistet, und zwar Schwerstarbeit, im französischen Kohlenbergbau machen die Ausländer lOv.H. aller Beschäftigten aus; in der clektromctallurgischen und elektrochemischen Industrie Südost-Frankreichs, in den großen Kunstscidenfabriken werden 45—00 v.ll. Ausländer beschäftigt. Auch in der französischen Landwirtschaft ist die Zahl ausländischer Beschäftigter fortlaufend gestiegen. Im Jahre 1927 verteilten sie sich — siehe Martin G Uttfeld und Hanns Reissner, Die Struktur der Landwirtschaft in Frankreich, (Deutsch - Französische Rundschau IV, 10. Oktober 1931) — wie folgt: Saisonarbeiter . . . 35 000 Ständige Lohnarbeiter . 163 000 Teilbauern und Pächter 59 000 Eigentümer . . . . 33 000 290000 Die soziale Tendenz, die in vorstehenden Ziffern ihren Niederschlag gefunden hat, ist eine gewisse Landflucht französischer Bauern. Ausländische, insbesondere italienische, aber auch schon polnische Landarbeiter, treten zunächst in ein Lohnverhältnis, später pachten sie Grund und Boden, um ihn endlich, dank ihrer Anspruchslosigkeit und Sparsamkeit, als Eigentum zu erwerben. Die im Jahre 1927 von ausländischen Eigentümern, Teilbauern und Pächtern bewirtschaftete Bodenfläche, SSO 000 ha, betrug 1,23 v. H. der gesamten landwirtschaftlich genützten Fläche Frankreichs. Wollen die mittellosen jüdischen Flüchtlinge, aber sicher auch ein Teil derer, die etwas Kapital mitbringen, in Frankreich wirtschaftlich festen Fuß fassen, so werden sie — das scheinen die obigen Ziffern zu lehren — genau wie ein Großteil der in Deutschland verbliebenen Juden sich umschichten müssen zu handwerklicher und landwirtschaftlicher Arbeit. Und zwar werden sie härter arbeiten müssen, als der Durchschnittsfrauzose selbst im Augenblick zu arbeiten gewohnt ist. Sind sie dazu imstande, so mag ihnen vielleicht fürs erste, rein wirtschaftlich, eine Existenz winken. Veranschlagt doch Mauco selbst, in Anbetracht des Rückganges der Geburtenziffer als Folge des Krieges, für die Jahre 1933—1910 einen Bedarf an Arbeitskräften von nahezu einer .Million. Schwieriger noch und ungewisser als die rein wirtschaftliche ist die politische Prognose zu stellen. — Jean Prevost's „Geschichte Frankreichs seit dem Kriege" atmet einen tiefen, vorwiegend innerpolitisch bedingten Pessimismus. Charakteristisch für Frankreichs kontinentale Außenpolitik ist es, daß er die Ruhrepisode mit folgendenWorten kennzeichnet: „Die Ruhrbesetzung, die Überraschungen und der Mißerfolg 272

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