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Der Morgen · 1933-10-01 · Heft 4 (Oktober 1933) · p. 242

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 4 (Oktober 1933)
Article
Biblischer Humanismus
Date
1933-10-01
Page
242 (sequence 2)
Language
German
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Martin Buber Dantes „Gastmahl" hingewiesen: „Eines jeden Dinges höchstes Verlangen, das ihm vom Anbeginn die Natur eingepflanzt hat, ist es, zu seinem Urgründe zurückzukehren." Im Anschluß an dieses Wort erblickt Burdach in der „Rückkehr zum menschlichen Urgrund, und zwar nicht in spekulativem Denken, sondern in einer konkreten Umgestaltung des gesamten inneren Lehens" das Ziel der geistigen Bewegung, die wir Humanismus zu nennen gewohnt sind. Der Humanist nimmt die Antike nicht in ihrer Gesamtheit als historische Materie hin, er nimmt das von ihr auf, was seiner Art nach jene „Rückkehr" zu fördern ihm tauglich erscheint. So fühlt Goethe in Rom „in Gegenwart plastischer Kunstwerke der Alten" sich „durchaus auf den Menschen in seinem reinsten Zustand zurückgeführt"-). Auch ein hebräischer Humanismus kann nur einer seherischen Auslese entspringen, die aus dem Judentum den hebräischen Menschen herausschaut, als den jüdischen Menschen in seinem reinsten Zustand. So wird unser Humanismus auf die Bibel hingeleitet. Ein hebräischer Mensch ist zwar nicht ein biblischer Mensch, denn die „Rückkehr", die hier gemeint ist, kann naturgemäß nicht ein Streben nach der Wiederholung oder Fortsetzung eines längst Gewesenen bedeuten, sondern nur eins nach dessen Erneuerung in echt gegenwärtiger Erscheinung; wohl aber ist ein hebräischer Mensch nur einer zu nennen, der ein b i b e 1 - würdiger Mensch ist. Unsere Bibel aber besteht aus Weisung, Malmung und Zwiesprache mit dem Weisenden und Mahnenden. Nur ein Mensch, der tun und hören will, was der Mund des Unbedingten ihm gebieten wird, ist ein bibelwürdiger Mensch. Ein hebräischer Mensch kann nur der sein, der sich von der Stimme, die in der hebräischen Bibel zu ihm redet, anreden läßt und ihr mit seinem Leben Rede steht. Selbstverständlich decken sich die beiden Begriffe nicht. Selbstverständlich gilt von dem Satz, daß jeder hebräische Mensch bibelwürdig sein müsse, die Umkehrung nicht. Der hebräische Mensch ist der, der sich von der Stimme, die in der hebräischen Bibel zu ihm redet, in deren hebräischer Sprache anreden läßt. Das ist der Sinn des biblischen Humanismus. Humanismus geht von dem Geheimnis der Sprache aus und auf das Geheimnis der menschlichen Person zu. Die Wirklichkeit der Sprache soll im Geist der Person wirkend werden. Die Wahrheit der Sprache soll sich in der Existenz der Person bewähren. Das hat humanistische Erziehung gemeint, solang sie lebendig war. Biblischer Humanismus geht von dem Geheimnis der hebräischen Sprache aus und auf das Geheimnis des hebräischen ») Vgl. Burdach a.a.O. 201. 242

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