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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 227

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Umschichtung zum landwirtschaftlichen und gärtnerischen Beruf
Date
1933-08-01
Page
227 (sequence 3)
Language
German
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Umschichtung zum landwirtschaftlichen und gärtnerischen Beruf in Gemeinschaft mit seiner Schwesterorganisation, der Jüdischen Landarbeit G.m.b.H., durchgeführt hat In Groß-Gaglow bei Cottbus sitzen etwa 3o jüdische Familien, Bauern und Gärtner. Die Gärtner haben 10 Morgen Land, die Kleinbauern 20—2 5 und die Großbauern 5o—60 Morgen Land. Diese Siedler sind in der Siedlung Groß-Gaglow ausgebildet worden. Unter ihnen befinden sich nicht nur Berufslandwirte und -gärtner — das sind ungefähr die Hälfte — sondern auch rein städtische Elemente, die ihre Eignung zum neuen Berufe in Groß-Gaglow erst erprobten und dann nach ihrer Eignung unter Anleitung siedelten. Interessant ist die Feststellung, daß auch diese rein städtischen Elemente, die frülier zum größten Teil kaufmännisch tätig waren, gute Landwirte und Gärtner geworden sind. Die zuständigen amtlichen Stellen haben wiederholt durch Besichtigung anerkannt, daß die Siedlung vorbildlich angelegt ist, und daß die Siedler ihre Stellen tadellos versehen. Die Siedler konnten ihre Steilen mit einem Eigenkapital von etwa 31)1 3ooo—5ooo erwerben. Den Rest des Kaufpreises, der je nach Größe und Art etwa JiK i3ooo—i5ooo betrug, wurden der als Siedlungsträgerin von Groß-Gaglow fungierenden „Jüdischen Landarbeit G.m.b.H." allmählich durch die Siedlungsgelder des Staates zurückgezahlt, und die Siedler haben diese Restkaufgelder an den Staat zu verzinsen und zu amortisieren. Ihre Rente beträgt etwa WH 5oo—900. Man wird vielleicht einwenden, daß das, was hier geleistet worden ist, recht wenig ist. Die Zahl von 3o jüdischen Bauern und Gärtnern in Deutschland kann wahrlich nicht imponieren. Aber andererseits ist in Betracht zu ziehen, daß auch diese 3o Siedler heute verarmt und verelendet und der jüdischen Wohlfahrt zur Last gefallen wären, wenn sie ihre geringen Mitteln nicht produktiv zur Erringung einer neuen Existenz verwandt hätten. Ob es möglich sein wird, in größerem .Maßstabe in Deutschland Juden weiter siedeln zu lassen, ist heute noch nicht zu übersehen. Eine Klärung und Stellungnahme seitens der nationalen Regierung wird angestrebt. Möglichkeiten, wenn auch vielleicht nur in beschränktem Maße sind vorhanden, deutsche Juden ständig in landwirtschaftlichen Betrieben in Deutschland nach ihrer Ausbildung weiter zu beschäftigen. Der Gedanke, Teile der jüdischen Bevölkerung, insbesondere jüdische Anstalten wie Krankenhäuser, Altersheime usw. mit den Produkten zu beliefern, muß geprüft und so weit wie möglich verwirklicht werden. Es ist dabei gar nicht notwendig, daß neuer Bodenbesitz erworben wird, sondern viele Gemeinden haben jüdischen Bodenbesitz, der zum Teil brach 227

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