Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Umschichtung zum landwirtschaftlichen und gärtnerischen Beruf
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 226 (sequence 2)
- Language
- German
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Martin Goetz Bauern- und Gärlnersiedlung, der eine spezielle Siedlerschule angegliedert ist; in der Gartenbauschule Ahlem und in Wilhelminenhöhe bei Hamburg, einem gärtnerischen Lehrbetrieb. In diesen und anderen Lebrschulen werden die Menschen an landwirtschaftliche und gärtnerische Arbeit gewöhnt und in dieser Tätigkeit geschult Die Betriebe stehen unter erstklassiger sachverständiger Leitung; neben der praktischen Ausbildung wird ein theoretischer Unterricht erteilt.1) Zu diesen gemeinnützigen Lehrbetrieben kommt noch eine 'Anzahl Privatbetriebe, sowohl landwirtschaftlicher Großgrundbesitz als auch Gärtnereien, die in jüdischen Händen liegen und Praktikanten aufnehmen. Ich schätze die Gesamtzahl der heute darin Beschäftigten auf ungefähr iooo bis i5oo. Die Zahl wächst täglich und muß täglich wachsen, weil die Berufsnot jeden Tag neue Menschen in diese Berufe zwingt, und man überlegt ununterbrochen, wie man neue Ausbildungsstätten für diese Menschen schaffen könne. Unsere größte Sorge ist, was später mit diesen vorgebildeten Landwirten und Gärtnern geschehen soll. Man kann sie schließlich nicht jahrelang in diesen Betrieben lassen, in denen sie einen Zuschuß zahlen, es ist vielmehr daran gedacht, sie einen sogenannten Schnellkursus durchmachen zu lassen, damit die Älteren von ihnen bald die Möglichkeit haben, sich in den neuerwählten Berufen selbständig zu machen. Sie können auch nicht lange warten, weil sie das geringe Eigenkapital, das sie vieDeicht heute noch besitzen, in Kürze aufgezehrt haben werden, wenn sie es nicht schnellstens produktiv anlegen. Aber wo bestehen solche Möglichkeiten? Man wird weiter bemüht sein, die Juden in Deutschland auf die Scholle zu bringen, und man nimmt an. daß diese Bestrebungen der deutschen Juden im Sinne der nationalen Regierung liegen. Wenn man die Juden aus den von ihnen — gemäß ihrem Bevölkerungsanteil — zu stark vertretenen Berufen herausdrängt, so hofft man, daß es ihnen ermöglicht wird, in anderen Berufen, in denen sie schwach vertreten sind, Existenzmöglichkeiten zu suchen. Wir wiederum müssen uns auf den Boden der Tatsachen stellen und ab Juden beweisen, daß wir den landwirtschaftlichen Beruf genau so gut ausüben können wie jeden anderen. Es dürfte hier vielleicht angebracht sein, kurz auf die erste jüdische Siedlung in Deutschland einzugehen, die der Reichsbund für jüdische Siedlung *) Für Kost und Logis sowie Ausbildung usw. wird ein monatlicher Zuschuß von etwa 45.— bis 60.— Mk. verlangt. 226