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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 222

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Fragen neuen Lebensraums
Date
1933-08-01
Page
222 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Max Schindler Zimmerleute, Installateure und andere Handwerker vorhanden, so wird die Siedlung in vielen Dingen von fremden Leistungen und Arbeitskräften unabhängig. Dabei ist zu berücksichtigen, daß südliche Gegenden eine wesentliche Ersparnis an Gebäuden, Kleidung, Heizung und Ernährung bedeuten. Die notwendige Einfuhr in die selbstversorgerische Siedlung kann etwa durch den Verkauf besonderer landwirtschaftlicher Erzeugnisse (Viehzucht, Pflanzenzucht) und kunsthandwerklicher Erzeugnisse sichergestellt werden. Grundsätzlich muß die Siedlung aber so aufgebaut sein, daß sie zumindest einige Zeit auch ohne Warenaustausch bestehen kann. Einen Ansalzpunkt für kleinere und mittlere Ansiedlung werden die oben erwähnten Arbeitslager bilden. Derartige Siedlungen sollten für etwa zweihundert Jugendliche und einige Familien der zweiten Gruppe eingerichtet werden. Letztere hätten die ärztliche und erzieherische Betreuung der Jüngeren zu übernehmen und sich während des Besiehens des Lagers selbst auf Handarbeit umzustellen. Nach Auflösung des Lagers und Parzellierung des dem Lager. dienenden Bodens können sie als Kern einer endgültigen Siedlung angesetzt werden. Die einfacheren Formen einer selbstversorgerischen Bedarf sdeckungswirtschafl verlangen einen anderen, vielgestaltigeren Menschentyp. als ihn die europäische Judenheit heule im allgemeinen aufzuweisen hat, und lassen ihn zu. Das ist insbesondere für die Menschen der zweiten Gruppe von Wichtigkeit. Es wird sehr schwer, wenn nicht ausgeschlossen sein, Akademiker und Kaufleule in den dreißiger Jahren so umzuschichten, daß sie vollständig zu Landwirten oder Handwerkern werden. Man wird aus ihnen aber „gemischtwirtschaftliche" Menschen machen können. Das heißt, sie müssen soweit landwirtschaftliche Urerzeugung betreiben können, daß sie eine, wenn auch einfache und oft nur notdürftige, Grundlage für ihren Unterhall haben. Die Hebung der Lebenshaltung muß durch Ausübung eines anderen Berufs erreicht werden. Dabei werden viele, wie Ärzte, Lehrer aller Art, auf ihren früheren Beruf zurückgreifen können, von dessen Auswertung sie aber eben insoweit unabhängig sind, als sie auch ohne sie keine Not zu leiden brauchen. Also auch hierbei keine Marktsondern Bedarfsdeckungswirtschaft. Die ideellen Vorteile einer derartigen Lebensführung brauchen nicht erörtert zu werden. Wirtschaftlich bedeutet sie eine Erleichterung der Umschichtung und größere Aufnahmefähigkeit des Siedlungswerks. Schon bei entsprechendem Ausbau der alten jüdischen Siedlungen in Argentinien, Brasilien und Kanada würde eine größere Anzahl von Menschen der zweiten Gruppe ohne wesentliche Geldanlagen aus öffent- 222

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