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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 221

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Fragen neuen Lebensraums
Date
1933-08-01
Page
221 (sequence 3)
Language
German
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Fragen neuen Lebensratrm* notwendigsten Dinge zu gestatten. Die klimatischen Verhältnisse dürfen die Änderung der Lebensführung nicht unnötig erschweren. Die selbstversorgerische Grundlage des Siedlungswerks erscheint mir besonders wichtig. Abgesehen von dem bereits dazu Gesagten, erleichtert sie Vieles und schafft für mehr Menschen und Berufe Raum als eine in die allgemeine Wirtschaft eingespannte Siedlung. Die Selbstversorgung kann bei richtiger Ausnutzung aller wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten außerordentlich weit gehen. Die Entwicklung der modernen Großindustrie hat den Blick für die Leistungs- und Ausbaufähigkeit des kleinen und mittleren Betriebs getrübt, der tatsächlich eine viel größere Rolle spielt als gemeinhin angenommen wird. So beschäftigen etwa 5oo/o aller Betriebe selbst der deutschen Maschinenindustrie nur bis 100 Menschen. Es läßt sich vieles im Kleinbetrieb, der dem Rahmen der Siedlung entspricht, herstellen, was die Selbstversorgung erleichtert. Die Bedarf sdeckungswirtschaft, deren Grundsätze eine derartige Siedlung bestimmen würden, erlaubt auch eine andere Preisbildung als die Marktwirtschaft1) Da solche Siedlungen vorzugsweise in Gegenden entstehen dürften, die verschiedenartigere landwirtschaftliche Kullurarten und Anpflanzungen zulassen als die Länder Mittel- und Osteuropas, wird auch bei Selbstversorgung auf viele Dinge nicht verzichtet werden müssen, die anderswo nur durch Einfuhr zu erlangen sind. Nun braucht man bei derartigen Siedlungen nicht gleich an Tausende und Zehntausende von Menschen zu denken, wenn auch eine Lösung der Frage eines neuen Lebensraums mit einem Zehntausende ergreifenden Siedlungswerk rechnen muß. Dabei ist die Einwanderung nach Palästina in dem augenblick-» Echen Umfang noch nicht berücksichtigt. Aus mancherlei Gründen kann hier auf einzelne Möglichkeiten zur Schaffung von Großsiedlungen nicht eingegangen werden. Die Voraussetzungen für die Einrichtung eines einzigen ausreichenden Sicdlungspunktes neben Palästina werden mit Ausnahme von Transjordanien nirgends gegeben sein. Für größere Siedlungen wäre sonst noch zu denken an einzelne südamerikanische Staaten, an Kanada, Australien und Rhodesien. Auch schon in kleinerem Rahmen läßt sich die Selbstversorgung bis zu einem gewissen Grade durchführen. Sind Äerzte, Tischler, Schlosser, Maurer, Zu solchen planwirtschaftKchen Gedankengängen über ein jüdisches Siedlungswerk gehört auch folgender: Die Absatzmöglichkeiten einer auf Selbstversorgung gestellten Siedlung lassen sich dadurch erhöhen, daß künftig soziale jüdische Einrichtungen, r. B. Altersheime, Waisenhäuser dorthin gelegt werden. Andrerseits müßten an die bestehenden Einrichtungen Gärtnereien usw. zur Deckung des Bedarfes angegliedert werden. 22t

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