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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 214

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Von jüdischer Jugend
Date
1933-08-01
Page
214 (sequence 3)
Language
German
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Bettj Marlin ihr nicht, wenig liegt ihr darum an öffentlichem und beteuerndem Bekenntnis zum Deutschtum, zumal es weniger denn je von ihr verlangt noch erwartet wird- Aber altes Gefühl wird als unveräußerliches Gut in uns weiterleben und kann in fruchtbarer Zeit wieder zu voller Entfaltung gelangen. Auch unsere Arbeit erfahrt nur geringe Veränderung; nur muß sie erweitert und intensiviert werden. Es darf keine Auswahl mehr getroffen werden — nach Interesse, Aktualität, Stimmung — von dem, was zu erarbeiten ist; das gesamte jüdische Lehrgut müssen wir einbeziehen und Geschichte, jüdische Geschichte mehr denn je kennenlernen, um die Gegenwart nicht nur besser verstehen, sondern mit Gleichmut tragen zu können. Wir können es uns nicht mehr leisten, ganze Gebiete der jüdischen Tradition nur oberflächlich zu kennen: sie ist unsere ureigene Sache, die einzige, die man uns niemals streitig machen kann. — Starker als bisher wird der Einzelne im Bund sich einsetzen, mehr Kraft opfern müssen, um die Gemeinschaft zu stärken in ihrer Stoßkraft, die Hilfe werden kann und muß für so viele noch Draußenstehende, innerlich schon Bereite, Geöffnete. In ihnen kann durch „Lernen" allein Religiöses nicht geweckt werden, wohl aber durch Vorgelebtes, durch Beispiel einesvon den Quellen jüdischer Religion, jüdischer Vergangenheit gespeisten Daseins. Uns ist nicht bange um die seelische Entwicklung des jüdischen Jugendlichen, weil wir historisches Verständnis, Beständigkeit der Lebensanschauung in starkem Maße bei ihm voraussetzen können. Aber das Kind? Lebt es nicht ganz und nur in der Gegenwart, im Tag und für den Tag? Kann es Vergangenheit in aktuelle lebendige Werte umsetzen? Können wir von einem Kinde Liebe erwarten zu einer Umwelt, die es ablehnend behandelt? Das Kind braucht Gegenliebe, wo es lieben soll, es braucht frohe Bejahung des unmittelbar Gegenwärtigen, wenn es nicht verkümmern soll. Andererseits nimmt es traurige Erlebnisse nicht symbolhaft, ordnet sie nicht ein in einen größeren Sinnzusammenhang und braucht darum keine lange Nachwirkung zu erfahren. Nie war die seelische Lage des jüdischen Kindes so schwierig, nie bot sie den Erziehern so viel Konflikte dar wie jetzt Die Kinder, früher oft besondere sicher und selbstbewußt, sind ihrer nichtjüdischen Umwelt gegenüber unsicher, ängstlich, unfrei geworden. Das tritt im wesentlichen in der Schule in Erscheinung. (Zwar sind noch nicht alle Kinder so verändert, aber es kann ihnen in naher Zukunft so ergehen.) Dieser Unsicherheit muß der Erzieher Sicherheit, Gleichmaß und feste Gesinnung entgegensetzen. Und zwar ist hier die? idealste und anscheinend unmögliche Lösung die einzige: Jüdische Eltern, Er- 214

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