Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Von jüdischer Jugend
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 213 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Betty Markus: Von jüdischer Jugeod kommen zunächst aus Schwäche, suchen ängstlich eine Geraeinschaft, die sie aufnimmt; aber daraus kann, wenn man ihnen das Rechte bietet, etwas sehr Positives entstehen. Wir wissen, daß es für viele der älteren Generation sehr, schwer sein wird, sich eine neue innere Welt aufzubauen. Wir meinen aber, daß die noch „Erziehbaren" — und das sind manche Erwachsene, die Mehrzahl der Jugendlichen und alle Kinder — keinen anderen Weg gehen können als den der tiefen Kenntnis und Bejahung dessen, was ihr Jude-sein begründet Die Jugend, die in der religiösen Jugendbewegung zusammengeschlossen ist, wußte es auch früher schon nicht anders, als daß die Hauptnahrung ihres Seins aus dem Boden jüdischer Lehre, jüdischer Geschichte, jüdischer Gläubigkeit wachse. Die verantwortungsbewußte Jugend aller Jugendbünde fühlte nach den ersten Stößen, die ihre behütete Welt erschütterten, daß sie nicht beim Dulden und Leiden verweilen kann, sondern daß sie positive und aktive Stellung nehmen muß zu der veränderten Welt. Immerhin kann diese Stellungnahme keine einheitliche gesamtjugendliche sein, da die Antwort auf die Fragen der Zeil verschieden lauten muß, je nachdem, ob man sie soziologisch, national oder religiös deutet. Der religiöse Jugendliche zeigte die gleiche innere Unerschütterlichkeit wie die Menschen der älteren Generation. Bei aller unmittelbaren und durchaus zupackenden praktischen Auseinandersetzung mit den bedrängenden Realitäten sieht er die Dinge mit dem Blick auf die Ewigkeit. Gewiß, Jugend will eingreifcii. will dem Schicksal in den Arm fallen, will von Grund auf ändern, will zumal heute vorbeugen, damit so Ungeheuerliches nicht wieder über uns hereinbricht; aber der religiöse Jugendliche muß notwendig weniger aktiv sein, da er von der göttlichen Aktivität mehr erwartet, anderes erwartet als von der eigenen, da er den „Sinn", der hinter allem noch so grausam, noch so absurd erscheinenden Geschehen liegt, ahnt und manchmal auch zu erkennen glaubt So sind die Geschehnisse der letzten Zeit für diese Jugend nicht zufällig und sinnlos, da sie mit Trauer auf den religiösen Zerfall, das Fehlen wahrhaft jüdischer Erziehung bei einem großen Teil der deutschen Juden sah, und viel Jugend darum in ihren Reihen missen mußte. Sie glaubt an die Möglichkeit einer Läuterung dieser Menschen in ihrem Sinne. Es versteht sich, daß Anschauung und Aufgaben dieser Jugend keine starke Veränderung erfahren konnten. Was ihr früher in Glauben und Gefühl selbstverständlich war, bleibt es nun auch. Über Selbstverständliches zu reden, liegt 213