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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 205

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Zur Problematik der deutschen jüdischen Jugend
Date
1933-08-01
Page
205 (sequence 3)
Language
German
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Zur Problematik der deutschen jüdischen Jugend Generationen vertrauensvoll zusammenwirken müssen. Die Not dieser jüngsten Gegenwart knüpft die zerrissenen Fäden wieder an. Verantwortung für die Zukunft der jungen Menschen wie um die Zukunft des deutschen Judentums lastet auf beiden Generationen. Die Erkenntnis, daß Aufbau und Hilfe, daß alle Kulturarbeit Erziehungsprobleme sind, muß an die Stelle leerer Schlagworte, dogmatisch erstarrter Formeln und willkürlicher Einfälle geistig und seelisch durchpulste Gemeinschaftsarbeit setzen. Für die meisten in beiden Generationen heißt es umlernen, sich wandeln, für alle ausnahmslos die Methoden ändern. Die Not hat den Aufgabenkreis der Gemeinde über den engen Rahmen des spezifisch Religiösen hinaus erweitert. In normalen glücklicheren Zeiten brauchte die Gemeinde sich nicht mit der Sorge für die allgemein kulturellen Interessen der Gemeindeangehörigen zu befassen. Das Mißverständnis der Bezeichnung „Synagogengemeinde", die von der preußischen Gesetzgebung nach dem Vorbild der christlichen Kirchengemeinden gewählt worden ist, ließ vergessen, daß das Judentum eine religiöse Gemeinschaft eigner Prägung ist Ihr Inhalt erschöpft sich nicht in religiösen Lehren und Cbungen, vielmehr ist das Charakteristische die gegenseitige Durchdringung des Religiösen im engsten Sinne des Wortes und aller Lebensäußerungen. K'nesselh und dessen griechische Übersetzung Synagoge kennzeichnet den Charakter der Gesamtheit, deren Spiegelbild die einzelne Gemeinde ist, und das dem Judentum eigne Spannungsverhältnis des Einzelnen zur Gemeinschaft. Die Sorge für die kulturellen Bedürfnisse wird nicht in Übernahme der Einzelaufgaben durch die Gemeinde sondern in Mitwirkung und organisatorischer Leitung betätig» werden. Die Jugend drängt zum Judentum — keineswegs einheitlich und einmütig, sondern in concordia discors, wobei im Augenblick die divergierenden Momente vielleicht noch die stärkeren sind. Der allgemeinen Bildung und ganz besonders der jüdischen Durchbildung der Jugend muß die Gemeinde erhöhte Sorgfalt zuwenden. Erhaltung und Intensivierung des Religionsunterrichts und der Religionsunlerrichtsanstalten, Verbreiterung und zugleich Vertiefung des Unterrichts durch Verbesserung der Unterrichtsmethode, Revision der Lehrpläne, Heranziehung der besten Lehrkräfte, Arbeitsgemeinschaften, Fortbildungskurse usw. — alle diese Forderungen, deren jede einzelne eine eingehende Erörterung verdiente, seien hier nur aufgezählt. Die zwingende Notwendigkeil äußerster Sparsamkeit in den Ausgaben der Gemeindedarf nicht zu einer Einschränkung dieses Unterrichts führen, die geradezu selbstmörderisch wäre. Die Problematik des Religionsunterrichts wird dabei keineswegs verkannt 205

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