Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Die jüdische Schule
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 199 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Schule geben ist — nicht nur an seine Glaubens- und Stammesgemeinschaft, sondern auch an das Vaterland und an die großen bleibenden Werte deutschen Wesens und deutscher Kultur kettet. Der Staat würde sogar gut daran tun, solche jüdische Schulen auf seine Kosten zu unterhalten. Allenfalls hätten die jüdischen Gemeinden die besonderen zusätzlichen Summen aufzubringen, die angesichts der Eigenart dieser Schulgaltung notwendig sind. Ich gehe dabei hier nicht auf die organisatorische Seite der Frage ein. Dort wo eine höhere jüdische Schule besteht, wird jene Schulform wohl zweckmäßig als eine parallele Abteilung der mittleren Klassen der höheren Schule eingerichtet werden- Die jüdischen Gemeinden und Gemeindeverbände wieder hätten dafür Sorge zu tragen, daß die kleinen Gemeinden sich zu Schuherbänden zusammenschließen. Auf diese Weise würde ermöglicht, daß mit geringen Ausnahmen jedes jüdische Kind in eine jüdische Volksschule Aufnahme finden kann. Armen Kindern hätten die jüdischen Stellen die Fahrtkosten zu ersetzen. Das Gleiche müßte auf Antrag und nach sorgfältigster Auswahl gegenüber besonders begabten Kindern geschehen, die in eine höhere jüdische Schule einzutreten beabsichtigen. Gegebenenfalls wären in einigen größeren Gemeinden, in welchen solche Schulen nicht bestehen, private 'Kurse und Zirkel zu errichten, die jüdische Kinder für die Oberstufe der höheren jüdischen Schule vorbereiten. Dadurch würde ermöglicht, daß die Kinder wenigstens bis zum Alter von i4—15 Jahren bei ihren Eltern bleiben. Abgebaute jüdische Studienräte könnten auch bei diesen Kursen Verwendung finden. Ein kleiner Prozentsatz armer Kinder aber müßte kostenlos aufgenommen werden. So könnte erreicht werden, daß die meisten jüdischen Schüler, die höhere jüdische Schulen besuchen wollen, nicht mehr auf die öffentlichen Schulen angewiesen sind. Die Gesamtzahl der die höheren jüdischen Schulen besuchenden Schüler brauchte darum aber kaum größer zu sein als bisher. Nur die besonders für sie geeigneten sollen ja in Zukunft Aufnahme finden. So werden viele entfallen, die bis jetzt in Betracht kamen. Ohnehin scheiden viele aus. Zahlreiche Familien sind ausgewandert und werden auszuwandern gezwungen sein. In den Städten aber, in denen höhere jüdische Schulen sind, wären von Gemeindewegen Internate zu errichten. Der Preis dürfte im Durchschnitt nicht viel höher sein, als die Selbstkosten bei guter aber einfacher Verpflegung betragen. Auf je zehn Kinder sollten zwei Kinder kommen, die kostenlos Aufnahme finden. Daneben wären Patenschaften für gut empfohlene und begabte Kinder zu erstreben. Nicht wenigen Eltern auf dem Lande und in der kleinen Stadt könnte 199