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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 186

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Das Kulturproblem der Juden im heutigen Deutschland
Date
1933-08-01
Page
186 (sequence 2)
Language
German
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Julius Bab treibt, für die Maler, die man auf Ausstellungen nicht mehr annimmt, für die Schriftsteller, die man in steigendem Maße aus Zeitungen und Zeitschriften verdrängt, und die auch für Bücher kaum noch einen Verleger finden — für all diese ist die Existenzfrage gestellt, und es sind sicher mehr als tausend Menschen, und zwar tausend Menschen von mehr als durchschnittlicher Bedeutung, die auf diesem Gebiet als Produzenten in die bitterste Not geraten. Besonders bitter dadurch, daß es sich hier häufiger und entschiedener noch als bei allen anderen Berufstätigen um einen wirklichen „Beruf" handelt, d. h. um leidenschaftliches, auf besondere Begabung gegründetes Verhältnis zu dieser Arbeit, die ein schmerzloses Hinüberwechseln in irgendeine andere Tätigkeit ausschließt. Aber der Ernst dieser Frage wird doch noch überragt von der Größe des Konsumentenproblems. Es ist freilich nicht so, daß die jüdischen Männer und Frauen, die bisher Vorträge hörten, ins Theater gingen, Musik genossen, ihre Bedürfnisse ausschließlich von diesen jetzt ausgeschalteten jüdischen Produzenten befriedigen ließen. Sie hatten auch vorher zum allergrößten Teil durchaus nicht das Bedürfnis gehabt, ausschließlich oder auch nur vorzugsweise jüdische Dozenten und jüdische Künstler auf sich wirken zu lassen. Aber heute liegen die Dinge nun so, daß die Juden vielfach nicht mehr zu den alten Quellen ihrer Bedürfnisbefriedigung gelangen können — und keineswegs nur, weil der jüdische Produzent ausgeschaltet ist. Daß es hier bereits Organisationen gibt, die den Juden auch als Aufnehmenden, als Publikum, ausdrücklich ausschließen, ist vorläufig nicht so schwerwiegend wie die Tatsache, daß alle kulturellen Veranstaltungen in steigendem Maße von einem Geist durchdrungen werden, der eine Ablehnung oller jüdischen Werte in sich schließt, dem sich die Juden unmöglich hingeben können aus dem sehr einfachen Grunde, weil er die Feindschaft gegen alles, was jüdisch ist, als einen sehr wesentlichen Programmpunkt setzt. Da aber selbstverständlich das Bedürfnis der Juden, Kulturgüter aufzunehmen, keineswegs aufgehört hat, und da wir auch aufs entschiedenste wünschen müssen, daß es nicht aufhört, so erwächst hier das Konsumentenproblem zu einer gewaltigen Bedeutung — ja seine Lösung wird zu einem guten Teil über die Zukunft des deutschen Judentums bestimmen. Wenn es eine Lösung gibt, so wird diese offenbar die Lösung des Produzentenproblems mit enthalten müssen: die geistige Nahrung, die für Juden, annehmbar ist, wird ihnen künftig zum großen Teil durch Juden geboten werden müssen. Aber sind wir damit nicht schon mitten im Ghetto? haben wir damit 186

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