Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 185

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Das Kulturproblem der Juden im heutigen Deutschland
Date
1933-08-01
Page
185 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895515-2895519-2903089--06464-2903157
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Das Kulturproblem der Juden im heutigen Deutschland Von Julius Bab Die Fragen, die die heutige Entwicklung in Deutschland aufwirft, sind für die Juden in den meisten Fällen Produzentenprobleme. Die Ausschaltung von Anwälten und Ärzten, auch von Studierenden, die mannigfache Bedrängnis jüdischer Kaufleute jeder Art — all dies sind fast ausschließlich die Fragen der in diesem Beruf Tätigen. Für den Juden als Konsumenten besteht einstweilen keine Schwierigkeit, juristisch, medizinisch, kaufmannisch seine Bedürfnisse zu befriedigen, und soweit er darauf entscheidenden Wert legt, stehen ihm auch rein jüdische Produzenten genug zur Verfügung. Die Frage liegt entscheidend anders auf kulturellem Gebiet. Was hier geschieht, ist nur zu einem Teil, und nicht einmal zu dem wichtigeren Teil Produzentenproblem. Dagegen ist von geradezu entscheidender Bedeutung die Frage, wie die Juden als Konsumenten von Kulturgütern sich in dieser neuen Situation halten werden. Gewiß — eine große Zahl jüdischer Dozenten sind von Hochschulen, Volkshochschulen, auch Mittelschulen entfernt; die Tragik, die daraus erwächst, ist in einigen Fällen sehr grell sichtbar geworden. An den deutschen Bühnen sind eine Anzahl sehr bedeutender und viele Künstler kleineren Ranges ausgeschaltet worden. Ein^ äußere dringende Notlage entsteht vorerst weniger für die Prominenten, die noch im deutschsprechenden Ausland, vielleicht auch im internationalen Film Exislenzmöglichkeilen haben, als für die kleineren Kräfte, deren Existenz völlig in der Luft hängt, und die zum großen Teil weder äußerlich noch innerlich heule in der Lage sind, einen anderen Beruf'zu ergreifen. (Immerhin erweist es sich, daß es an den deutschen Bühnen höchstens dreihundert jüdische Schauspieler gibt — das sind kaum 3o/o —, und es zeigt sich einmal mehr, daß die Behauptung von der „völligen Verjudung" der deutschen Bühnen nicht zutrifft) Aber freilich, auch diese dreihundert wollen leben! Und ebenso ist für die jüdischen Musiker, die man aus dem Orchester und vom Konzerlpodiura ver- 13 185

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.