Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Das Kulturproblem der Juden im heutigen Deutschland
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 185 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Kulturproblem der Juden im heutigen Deutschland Von Julius Bab Die Fragen, die die heutige Entwicklung in Deutschland aufwirft, sind für die Juden in den meisten Fällen Produzentenprobleme. Die Ausschaltung von Anwälten und Ärzten, auch von Studierenden, die mannigfache Bedrängnis jüdischer Kaufleute jeder Art — all dies sind fast ausschließlich die Fragen der in diesem Beruf Tätigen. Für den Juden als Konsumenten besteht einstweilen keine Schwierigkeit, juristisch, medizinisch, kaufmannisch seine Bedürfnisse zu befriedigen, und soweit er darauf entscheidenden Wert legt, stehen ihm auch rein jüdische Produzenten genug zur Verfügung. Die Frage liegt entscheidend anders auf kulturellem Gebiet. Was hier geschieht, ist nur zu einem Teil, und nicht einmal zu dem wichtigeren Teil Produzentenproblem. Dagegen ist von geradezu entscheidender Bedeutung die Frage, wie die Juden als Konsumenten von Kulturgütern sich in dieser neuen Situation halten werden. Gewiß — eine große Zahl jüdischer Dozenten sind von Hochschulen, Volkshochschulen, auch Mittelschulen entfernt; die Tragik, die daraus erwächst, ist in einigen Fällen sehr grell sichtbar geworden. An den deutschen Bühnen sind eine Anzahl sehr bedeutender und viele Künstler kleineren Ranges ausgeschaltet worden. Ein^ äußere dringende Notlage entsteht vorerst weniger für die Prominenten, die noch im deutschsprechenden Ausland, vielleicht auch im internationalen Film Exislenzmöglichkeilen haben, als für die kleineren Kräfte, deren Existenz völlig in der Luft hängt, und die zum großen Teil weder äußerlich noch innerlich heule in der Lage sind, einen anderen Beruf'zu ergreifen. (Immerhin erweist es sich, daß es an den deutschen Bühnen höchstens dreihundert jüdische Schauspieler gibt — das sind kaum 3o/o —, und es zeigt sich einmal mehr, daß die Behauptung von der „völligen Verjudung" der deutschen Bühnen nicht zutrifft) Aber freilich, auch diese dreihundert wollen leben! Und ebenso ist für die jüdischen Musiker, die man aus dem Orchester und vom Konzerlpodiura ver- 13 185