Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Berufsständischer Staatsbau
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 183 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Berufsständischer Staatsbau ferischen Eigenlebens die Sorge um den Menschen die einzige Sorge ist, und haben nie aufgehört, diese Forderung vor denen zu erbeben, auf die sie Einfluß hatten. Was heute programmatisch erklärt wird, daß es nicht auf die anonyme, im Dunkeln und Unbekannten wie ein Gott thronende Wirtschaft ankomme sondern auf den Menschen, das ist von den Evangelisch-Sozialen, von Katholiken und Juden in ihrer Sozialforderung immer vertreten worden. Die katholische Kirche vor allem hat den Gedanken des von der Berufsarbeit her bestimmten ständischen Aufbaus stets festgehalten. Auch in den "Zeiten des stärksten Wirtschaftslibenalismus hat sie dem Kampf der Interessenten untereinander und dem Kampf der Arbeitgeber und Arbeitnehmer den berufsständischen Gedanken als Mittel zur Erzielung und Erhaltung eines Wirtschaftsfriedens gegenübergestellt Was heute sich anbahnt und ausbaut, ist im Grunde ihr alter Gedanke, nur mit einem anderen Vorzeichen. Was heute auf der Grundlage des Nationalen aufgebaut wird, verlangte sie auf der Grundlage des Konfessionellen. Aber in der Sache ist es die gleiche Forderung, das gleiche Ideal. Indem die Staatsgewalt nun von diesem Gedanken aus das Leben des Volkes formt, bahnt sich ein verheißungsvoller Weg zum konfessionellen Frieden an. Was heute sich vollzieht, geschieht aus autoritativer Formung. Scheinbar ist der Einzelne nicht gefragt. Auer nichts könnte bestehen, wenn nicht die innere Zustimmung der Menschen es stützte. Es ist ein Neues und Ungewohntes, das sich gestaltet, etwas, zu dem die Meisten bisher in Ablehnung standen, was sie verächtlich als mittelalterlich ablehnten. .Vlies Neue ist Wagnis. Man hätte kein Kocht zum Wagnis, wenn die bisherige Ordnung über jeden Zweifel erhaben wäre. Wer will behaupten, daß sie es ist? Daß sie Bestand und Gedeihen von Volk und Staat verbürgt? Weil sie in Zweifel geraten ist, ist das Recht zum Wagnis gegeben. Man muß es bejahen; nicht aus dem Muß und Sichfügen, sondern aus dem Willen, aus der Pflicht zum Gestalten. Die Zukunft kennt niemand, Erfolg und Gelingen ist immer nur in Gottes Hand. Aber gelingt das Wagnis, dann gehört dieser Ordnung — nur vom berufsständischen Aufbau als solchem ist die Rede und nicht von anderen Dingen des neuen Staatsbaues — nicht nur Deutschland sondern die Well. Dann kann der Westen seine alte Form nicht behalten, dann erobert sich dieser Gedanke von Deutschland aus die Welt, wie einst der Gedanke der französischen Revolution vom Westen her über die Well ging. Dann fällt in dem Ringen zwischen dem alten Gedanken des Westens und dem Gedanken des russischen Neubaus die Entscheidung weder 183