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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 169

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Die inneren Voraussetzungen für Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum
Date
1933-08-01
Page
169 (sequence 5)
Language
German
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Die inneren Voraussetzungen für Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum halten hat Wir sind uns dessen voll bewußt, daß die Einzigartigkeit dieser Gemeinschaft nicht beruht auf politischen Leistungen, auf wirtschaftlichen Erfolgen, ja nicht einmal auf dem, was einzelne ihrer Glieder für die Wellkultur geleistet haben. Einzigartig ist der Charakter der Judenheit darum, weil sie eine Gemeinschaft ist, die stets unverbrüchlich an ihrem Glauben an das Endziel aller menschlichen Gemeinschaft festgehalten hat, die in allen Abwandlungen der geistigen Struktur der Zeiten und bei aller äußeren Verschiedenheit ihrer äußeren Lage innerlich eine geistig-sittliche Gemeinschaft gläubiger Menschen geblieben ist. Das Großartige ist dabei, daß dieser Glaube nie auf sofortige Erfüllung gerichtet sein konnte und doch so stark geblieben ist, daß er ganze Generationen über schwerste Leiden hinweggeführt hat durch das Mittel eines Strebens des Einzelnen nach seelischer Vollkommenheit und durch den immer wieder betonten und betätigten Glauben der Gesamtheit an eine glückliche Zukunft der Menschheit als einer gottgewollten und beseelten Einheit Die Stärke dieses Glaubens hat ihren weltgeschichtlichen Beweis erbracht an zahllosen Generationen unserer Väter, die jedes denkbare Menschenleid auf sich genommen haben bis zum blutigen Ende. Jeder äußere Anreiz sprach für die Aufgabe der jüdischen Gemeinschaft, für die Entäußerung des Judentums. Nur der Zukunftsglaube an die Sendung Israels war das Erhaltende, war stärker als Macht und Reichtum, überwand Not und Tod. Wir religiösen J".den, wir gläubigen Menschen wollen heute nicht weniger stark sein als die Ahnen, die sicherlich viel weniger „aufgeklärt" waren als der Durchschnitt unserer Gercration. Es ist in diesen Tagen, als es sich um die Erziehung der Jugend handelte, von den Urkräften jüdischen Seins gesprochen worden, die man wieder wecken müsse. Die stärksten Urkräfte des Juden waren stets sein Glaube, sein Hoffen, sein Streben, der Blick über die Gegenwart hinweg auf das Endziel. Es haben sich leider nicht alle Menschen diese Kraft erhallen können. Führen aber können nur die, in denen ihr ungedämpftes Feuer hell lodert. Zu diesem Glauben an die jüdische Zukunft gehört es auch, sich darüber klar zu werden, daß die Zerstreuung der Juden über die Länder der Erde kein Zufall ist sondern göllliche Schickung. Israel sollte als die Gemeinschaft der Gotteskämpfer über die Erde verstreut werden. Es sollte die Gemeinschaft des Geistes und Glaubens bleiben innerhalb der Gemeinschaften der Macht. Nur wenn wir, ob auch immer wieder angefochten und niedergedrückt, befehdet und verfolgt, unseren Platz inmitten der Völker der Erde uns erkämpfen und erhallen, werden wir dem Einzigartigen unserer jüdischen Sendung gerecht 12 169

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