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Der Morgen · 1933-08-01 · Heft 3 (August 1933) · p. 168

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 3 (August 1933)
Article
Die inneren Voraussetzungen für Hilfe und Aufbau im deutschen Judentum
Date
1933-08-01
Page
168 (sequence 4)
Language
German
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Heinrich Stern Nicht erklärlich ist mir allerdings die Haltung derjenigen, die sich früher nicht deutsch-national genug gebärdet haben und jetzt im Laufe von Tagen und Wochen einen Zusammenbruch ihres deutschen Gefühls in sich erleben. Was muß das für ein deutscher Wille sein, der vom ersten Sturm, und mag er noch so heftig gewesen sein, über den Haufen geworfen worden ist! In sich geschlossen und folgerichtig ist heule die Einstellung der bewußten Zionislen. Für sie hat sich seelisch wenig geändert- Das Zentrum ihres Lebens und Strebens war Erez IsraeL Es ist völlig verständlich, wenn ihr Streben, dorthin zu gelangen, heute einen verstärkten Impuls erhalten hat. Doppelt anerkennenswert, wenn sie auch für andere, die heute in Not sind, Palästina erschließen helfen. Wu\ Nichtzionisten müssen aber anerkennen, daß sie hier den Vortritt haben, daß sie führen müssen und daß sie auch das Recht haben, zu wählen, wen sie zum Aufbau ihres nationalen Heims innerlich und äußerlich befähigt halten. Es braucht nicht betont zu werden, daß sie auch für uns Mitkämpfer um staatsbürgerliches Recht in Deutschland sein sollen. Es erscheint aber selbstverständlich, daß sie hier nicht führen können und dürfen. Nur die, die den .Glauben an eine jüdische Zukunft in Deutschland haben, können die Führung übernehmen. Führen kann nur, wer nicht nur um eine staatsbürgerliche Gleichheit kämpft sondern für eine Volksgemeinschaft. Die Haltung des religiösen Judentums — und hier gibt es keinen Gegensatz zwischen religiös-fortschrittlichem und gesetzestreuem Judentum, soweit ich es übersehe — ist durch folgendes bedingt: Wir haben stets daran geglaubt, daß unser Leben nicht von uns geformt, sondern von dem Schöpfer des Wellenplanes uns gegeben ist. Gott hat uns zwar die Verantwortung-für unser Handein nicht abgenommen; er hat aber diesem Handeln seine Bedeutung gegeben durch den Glauben an einen unserem Wissen entzogenen Sinn des Lebens des Einzelnen und der Gesamtheit Dieser in dem Auf und Ab jüdischer Geschichte und allgemeinen Geschehens sich deutlich offenbarende Sinn macht und erhält uns gläubig und bodenständig, auch wenn wir den Weg im Augenblick nicht zu verstehen vermögen. Aus diesem Glauben an die göttliche Führung unseres Lebens folgt unser Glaube an den Sinn und die Bedeutung der jüdischen Gemeinschaft im Weltgeschehen. Wir glauben daran, daß Gott Israel geschaffen hat, als „ein Reich' von Priestern und ein heiliges Volk". Wir sehen diesen Glauben bestätigt durch die Tatsache, daß eine kleine, jeder äußeren Macht entbehrende, religiöse Gemeinschaft als einzige in der Weltgeschichte sich in ihrer Geschlossenheit er- 16$

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