Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Die neue Ordnung
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 162 (sequence 3)
- Language
- German
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Hans Back deutschen Staat noch dem deutschen Volk nützen werden, und die Überzeugung, daß ebensowenig wie die Gesetzgebung der Emanzipation schon die Eingliederung der Juden sicherstellen konnte, neue Gesetze die erfolgte ungeschehen zu machen imstande sind. Einer sozial und geistig so differenzierten Wirklichkeit gegenüber, wie sie das deutsche Judentum darstellt, wäre sogar der Gedanke einer so „gordischen" Regelung unmöglich ohne eine grundsätzliche Verschiebung des Denksystems, die zu den Grundsätzen des Rassegedankens noch ein ganz neues Moment hinzufügt. Professor Alfred Bäumler, der als Leiter der Hochschule für Politik ein repräsentativer Vertreter der neuen Gedanken ist, hat in seiner Vorlesung vom 17. Mai ausgeführt, mit dem Symbol von „Blut und Boden", das er al^ „kosmische Gesetzlichkeit" bezeichnet, könne man unmöglich verstehen, „was im Augenblick geschieht", sondern es gebe darüber hinaus noch eine zweite, „politische" Gesetzlichkeit Er macht sich damit den von Carl Schmitt gebildeten Begriff des Politischen zu eigen, der Ilobbes' Status naturalis nachgebildet ist, sich aber nicht wie dieser auf Individuen sondern auf Gruppen, d. h. im allgemeinen auf Völker bezieht, und dessen Kriterium das Gegensatzpaar Freund-Feind darstellt. Aus solchem Gruppendenken heraus setzt Bäumler dem von der deutschen Klassik geformten Ideal der „Persönlichkeit", die frei ihrem selbstgegebenen Gesetze folgt, den „Menschen vor dem Schicksal" entgegen, der für die politische Philosophie jedoch nur als Glied seines Volkes von Interesse ist. Dieses Volk aber setzt sich seine Grenzen nicht selbst, sondern hat sie „durch Existenz und Geburt"; sein Leben wird nicht durch abstrakte Begriffe bestimmt sondern durch konkrete Symbole geleitet, deren erstes, „Blut und Boden", sich über den Gegensatz von Idealismus und Positivismus erhebt Von diesem Ansatz aus lehnt Bäumler jede Polemik mit der vergangenen liberalen Auffassung ab: es gibt für ihn nicht den einzelnen Juden als Problem sondern nur „eine Judenschaft und ein deutsches Volk". Mit dem Begriff der „Persönlichkeit" überhaupt entfällt auch der der „nationalen Persönlichkeit": wenn die Juden als Patrioten empfänden, so sei das „das Äußerste, was sie tun können, aber sie können nie die Fähigkeit haben, unser Schicksal zu teilen und mitzubestimmen", denn der Nationalsozialismus bestreite, „daß man zwei Mütter haben kann". Die Stellung zur deutschen Judenschaft aber werde durch die Frage bestimmt, ob sich diese „am Kampf um die Macht" beteiligt habe oder nicht. Die Revolution schaffe nun eine Neuordnung: „Nur weil wir wissen, daß der Mensch gebunden ist, können wir nicht auf das Wunder eines Ga- 162