Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 3 (August 1933)
- Article
- Die neue Ordnung
- Date
- 1933-08-01
- Page
- 163 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die neue Ordnung slnnungswandek vertrauen; weil wir es ernst nehmen mit der neuen Ordnung, entfernen wir alle, die nicht wesensmäßig im Sinne der neuen Ordnung gestalten können. Die deutsche Judenschaft, die mit der Fahne des Gegners betroffen wurde, wird nach Kriegsrecht, aber milde behandelt" Wer dieser Gegner ist, wird nicht ausdrücklich gesagt; Bäumler beruft sich einerseits auf die Frankfurter Zeitung, andererseits sagt er, in Wirklichkeit seien es nur zwei Parteien gewesen, „die aufs Ganze gingen", und nennt kurz darauf den „kommunistischen Gegner", so daß der doch wohl nicht beabsichtigte Eindruck entstehen kann, er sehe die deutsche Judenschaft als Ganzes in die kommunistische Gefolgschaft eingereiht! Denkformen sind nicht Selbstzweck sondern Abbilder einer Wirklichkeit. Es ist deshalb sinnlos, ein neues Denksystem auf Inhalte anzuwenden, die nach ganz anderen Prinzipien ausgerichtet waren. Die deutsche Judenschaft, die hier als Ganzes aufgerufen wird, gab es bisher und gibt es einstweilen auch jetzt noch nicht, und sie hat keine Stimme zu antworten* Die Richtfrage, wie sich die Judenschaft zur nationalen Revolution gestellt habe, ist deshalb eine rein rhetorische, die mit der gleichen Wirkungslosigkeit z. B. für die deutsche Angestelltenschaft aufgeworfen werden könnte. Denn bisher war „deutsche Judenschaft" ein Gattungsbegriff, eine Abstraktion, der Gesamttendenzen oder gar eine Gesamtpolitik nicht unterlegt werden können, und deren einzelne Glieder zwar nach der Psychologie jeder Minderheit, in dem ihnen gemeinsamen Judentum angegriffen, gleichsinnig antworteten, ohne aber darum ihre ganz verschiedenen individuell-sozialen Standpunkte aufzugeben. Daß aber die Nationalsozialistische Partei von sich aus jede aktive Beteiligung auch einzelner Juden abwies, ist Herrn Professor Bäumler doch wohl nicht unbekannt, und es entspricht kaum einer ruhigen Staatspolitik, die Juden dafür zu bestrafen, daß man sie ausschloß. Auf der gleichen Linie einer Rückspiegelung des neuen Systems in die Vergangenheit liegt die These, es habe „in Wirklichkeit" nur zwei Parteien gegeben, „die aufs Ganze gingen". Es gab nur zwei revolutionäre Parteien dieser Art, aber daneben doch noch eine ganze Gruppe anderer, die sich sehr verschieden zu der nationalen Revolution stellten. Auch der Katholizismus hat ja den Nationalsozialismus zeitweise scharf bekämpft, ohne daß das jetzt eine Verständigung ausschließt; das neue politische System fordert zwar das Denken in Gruppen, nicht aber deren Dislanzierung oder gar Diffamierung, nachdem ihre Machtlosigkeit und Loyalität jede Gefahr für die Herrschaft außer Frage setzt Eine das ganze System begründende Ethik steht 163