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Der Morgen · 1933-06-01 · Heft 2 (Juni 1933) · p. 133

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 2 (Juni 1933)
Article
Palästinische und alexandrinische Schriftforschung
Date
1933-06-01
Page
133 (sequence 12)
Language
German
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Palästinische und alexandrinische Schriftforschung der den Götzendienst seines Vaters verließ, um ein vorbildlicher Verehrer des einzigen Gottes zu werden. Wie kam das? Sie lassen Abraham in der Einsamkeit aufwachsen; er sieht zunächst die Sonne, die Herrscherin des Tages, und hält sie für Gott; dann scheint sie überwunden zu werden vom Mond; er erscheint nunmehr als der Mächtigere; wie aber nunmehr die Sonne den Mond überwindet, da erkennt Abraham den einheitlichen Willen, der den Wechsel der Gestirne ordnet. Oder: sie erzählen, daß sein Vater ihm die Götzenbilder anvertraut. Bei seiner Heimkehr findet er die Bilder zerschlagen. Abraham versichert, sie seien miteinander in Streit geraten; der Vater bestreitet das, da sich doch die Göller nicht rühren können — und gesteht damit selbst die Nichtigkeit eines volkstümlich-naiv verstandenen Bilderdienstes ein. So ist denn Abraham dem Midrasch Cberwiuder des Heidentums in seinen beiden verbreitelslen Formen, als . Astral religio n und als felischartiger Bilderkult: daher ist er in der Tat der Vater der Proselylcn, die ja bei ihrer Naniengebung als Söhne Abrahams bezeichnet werden: und auch die Exegese trägt diesen Charaklerzug Abrahams in zahlreiche Bibelverse hinein: redet etwa die Schrift von den Seelen, d. h. Sklaven, die Abraham „erworben" hatte, so meint tler Midrasch, er habe diese Seelen ..geworben" für den Dienst des wahren Gottes; und der Hain, den er nach dem biblischen Bericht anlegte, dient ihm nach dem Midrasch dazu, heidnische Gäste zu bewirten und beim Abschied ihr Augenmerk auf Göll zu lenken, dem sie die Wohltat verdanken. So wird Abraham als der Mann, der ohne Tradition Gott erkannt hat und ihn daher auch Tradilionslosen verkünden kann, gewiß seiner geschichtlichen Einmaligkeit enthoben und in seiner opferbereiten Willens>5ärke zum Vorbilde der Enkel: aber er wird damit keineswegs zu einem abstrakten Schemen oder zum Musterbeispiel für das Recht philosophischer Ideale: im Gegenteil: jene Weiterbildungen, in denen sich religiöser wie künstlerischer Formwille auswirkt, erhöhen die Lebendigkeit des biblischen Bildes und haben durch die Vermittlung von Volksbüchern das Bild des Glaubenshelden den weitesten jüdischen Kreisen, ja, auch Anhängern anderer Bekenntnisse, zumal des Islam, vertraut gemacht. Und wie die Geschichte einzelner Persönlichkeilen, so werden die gemeinsamen Erlebnisse des Volkes hüben und drüben behandelt. Weder Philon noch den Rabbinen ist der Auszug aus Ägypten eine einmalige Tatsache der Vergangenheit. Sie verewigen sie beide, aber in wie verschiedenem Sinne! Philon setzt das überschreilungsfest — er kennt den aramäischen Namen Pascha — mit den griechischen Diabaterien gleich, einem Opfer, das man bei Cber- 133

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