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Der Morgen · 1933-06-01 · Heft 2 (Juni 1933) · p. 131

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 2 (Juni 1933)
Article
Palästinische und alexandrinische Schriftforschung
Date
1933-06-01
Page
131 (sequence 10)
Language
German
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Palästinische und alexandrinische Schriftforschung aber soll nach rabbinischer Auffassung das Religionsgesetz mit Gewissenhaftigkeit und mit Liebe gehalten werden. Gerade beim Sabbatgesetz geht die rabbinische Kasuistik gewiß stark ins einzelne; und es ist keine Frage, daß das rabbinische Schrifttum gleichsam vom Körper des Gesetzes weit ausführlicher und häufiger redet als von seiner Seele. Daß aber die Rabbinen auch diese Seele gespürt haben, beweisen nicht nur einzelne Worte, sondern vor allem die Schöpfung des Gottesdienstes, durch welchen sie den Feiertag im heutigen, weder Griechen noch Römern bekannten Sinne eigentlich erst geschaffen haben. Auch hier wird der schöpferische Charakter ihrer Auslegung deutlich; das Bibelgebot „gedenke des Sabbat, ihn zu heiligen" beziehen sie auf die Heiligung durch Wort und Ritus und begründen so die Einrichtung jener häuslichen Feiern, die dem Judentum späterer Jahrhunderte zum Quell religiöser Kraft und frommen Familienlebens geworden sind. Hier aber erhebt sich die Frage, ob ein solches schöpferisches Verhalten des Menschen vereinbar ist mit dem Glauben an den übernatürlichen, göttlichen Ursprung der Gesetze, ob es nicht verstößt gegen die Vorschrift, nichts hinwegzunehmen vom göttlichen Gesetz, noch etwas hinzuzufügen. Die Rabbinen haben auch mit dieser Schwierigkeit gerungen; den Buchstaben der Schrift bezogen sie auf die Ausführung der einzelnen Gebote; ich darf etwa zum FesLstrauß nicht mehr noch weniger Pflanzenarlen nehmen, als das Gesetz vorschreibt; dem Geiste trugen sie dadurch Rechnung, daß sie zwar die Abschaffung eines gölllichen Gebotes für undenkbar erklärt, aber bei der Ausgestaltung die Mitwirkung des Menschen als berechtigt und verdienstlich erkannt haben. „Wer den Sabbat hält, wie er gehalten werden soll, wird dadurch zum Mitarbeiter Gottes; denn es heißt: Israel soll den Sabbat hüten, um ihn zum Bundeszeichen zu machen". In diesem Wort, vielleicht einem der kühnsten, das der Talmud enthält, kommt die Empfindung des nachbildend-schöpferischen Verhallens des religiösen Menschen in deutlicher Einkleidung zum Durchbruch. Und von dieser Schöpfertätigkeit ist im alexandrinischen Judentum, das nur auf die Betrachtung des Gesetzes beschränkt ist, nicht die Rede. Der gleiche Unterschied wie bei der Auffassung der Gesetze zeigt sich auch in der Auslegung der biblischen Erzählungen. Biographien einzelner biblischer Persönlichkeiten finden sich bei den Alexandrinern nicht selten. Die ausführlichste ist Philons Darstellung des Lebensganges des Moses. Sie ist ganz nach dem Schema der griechischen Biographien gearbeitet, genauer gesagt: nach zwei Schemen, dem chronologischen 13t 9*

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