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Der Morgen · 1933-06-01 · Heft 2 (Juni 1933) · p. 125

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 2 (Juni 1933)
Article
Palästinische und alexandrinische Schriftforschung
Date
1933-06-01
Page
125 (sequence 4)
Language
German
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Palästinische und alexandrinische Schriftforschung Naturwissenschaft; sie scheiiit ihnen nicht die Aufgaben zu lösen, auf die es ankommt; nicht die Bihel einzuordnen in das System der Literatur ist ihr Bestreben, sondern sie auf sich wirken zu lassen in der Richtung, in der sie geschrieben — oder, im Sinne der Babbinen: gegeben wurde. Aus diesem grundlegenden — von Frankel nur leise angedeuteten — Unterschiede ergibt sich die Eigenart der Schrifterforschung im Gegensatze zur Schriftforschung im einzelnen. Es gibt zahlreiche Probleme der Wissenschaft, die die Exegese nicht stellt; zwar geht sie an den Fragen der Kritik im weitesten Sinne des Wortes nicht so grundsätzlich vorbei, wie Frankel S. 2 es ausgedrückt hat (wir kommen auf einzelnes zurück); aber es kann hier nicht, wie späterhin namentlich bei Maimuni, zu jener Erklärung biblischer Vorschriften aus der vergangenen Kultur, also zu geschichtlicher Einordnung der Bibel kommen, wo der Nachdruck der Erklärung auf dem Überzeitlichen, stets. Gegenwärtigen, liegt. Andererseits stellen sich der Auslegung eine Reihe von Fragen, die für die wissenschaftliche Philologie nicht vorhanden sind. Wenn jedes Kapitel, ja, jedes Wort, jeder Buchslabe der Heiligen Schrift religiöses Leben wecken soll, dann bereiten nicht nur entbehrliche Ausschmückungen, sondern ganze Kapitel ohne .unmittelbaren Gefühlswert, wie etwa Genealogien, dem Exegeten Schwierigkeit. Und in Alexandreia wie in Palästina sucht man gerade aus solchen Steinen Wasser zu gewinnen. Weshalb, so fragt die Mischna, bedurfte es der zehn Schöpfungsworte? Hätte nicht eines genügt? Aber wir sollen lernen, wie groß die Schuld der bösen Menschen ist, die eine durch zehn Gottesworte geschaffene Welt zerstören, wie groß das Verdienst der Guten, die sie erhalten. Hat die Bibel nötig, uns zu erzählen, daß Jakob durch einen Fluß gegangen ist? Aber jeder von uns ist Jakob: jeder soll den gleichen Strom wie er — den Strom der Leidenschaften — am Stabe der Zucht durchschreiten. Und dies Bestreben, der Bibel den tiefsten Sinn und die kräftigste Wirkung abzugewinnen, geht noch weiter. Wie der Leichtfertige manchem harmlosen Wort einen frivolen Nebensinn unterstellt, — wie der Dichter manchen Ausspruch seiner Helden mit dem Doppelsinn tragischer Ironie füllt („ich denke einen langen Schlaf zu tun", sagt Wallenstein vor seiner Todesnacht), so genügt der empfänglichen Seele des religiösen Beschauers der nächste Wortsinn, der auch dem Stumpfen erreichbar ist, vielfach selbst da nicht, wx> er einen religiösen Sinn bereits enthält: in seinem Nebensinn oder, wie die Alexandriner sagen, „Untersinn" erscheint er als Träger solcher Wahrheiten, zu t25

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