Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1933)
- Article
- Der Priester in der katholischen Kirche
- Date
- 1933-06-01
- Page
- 120 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde Diaspora, ihre besonderen Schwierigkeifen hat, die in den weiten Entfernungen und vor allem in dem ständigen Wechsel der Studenten von Semester zu Semester liegen. Die Arbeitsmethode der Sludentenseelsorge besteht im wesentlichen darin, daß durch Veranstaltung von religiösen Aussprachekreisen und Studentengottesdiensten ein Einfluß auf die geistige Formung der Studenten aus katholischer Haltung heraus versucht wird. Eine besondere Aufgabe scheint auch darin zu liegen, die Studenten der einzelnen Fakultäten auf die Verbindungen hinzuweisen, die zwischen ihren Fachgebieten und der katholischen Geistigkeit bestehen. Gerade hier wird oft die „Kathoiizität" der Kirche klar, wenn z. B. dem klassischen Philologen der Weg gezeigt werden kann, der aus der kirchlichen Liturgie in die Mysterienkulte des römischen Hellenismus führt; oder wenn dem Romanisten der Blick dafür geöffnet wird, wie das letzte Wesen der romanischen Art eigentlich nur aus einem naturhaften Katholizismus zu verstehen ist; wenn der Jurist die reichen Beziehungen zwischen der Rechtssphäre und dem kirchlichen Leben enideckt, oder wenn dem Mediziner klar wird, daß die Weihe des menschlichen Leibes durch die Sakramente der Kirche auch ihre Bedeutung für das geistig-körperliche Leben des Menschen hat. Denn gerade die Aufweisung dieser Verbindungen scheint mir mehr als eine nur moralische Beeinflussung die eigentliche Aufgabe der katholischen Studentenseelsorge zu sein, weil dadurch jene Menschen geschaffen werden, deren Leben nicht mehr in Berufstätigkeit und religiösen Übungen zersplittert und zerrissen wird, bei denen vielmehr Beruf und Religion sich gegenseitig durchdringen und im wahren Sinne des Wortes „erfüllen". Daß ein solcher Mensch, der seine geistige Erfüllung im Religiösen sieht, auch leichter den Zugang zu den entscheidenden Formen des kirchlichen Lebens — Sakrament und Opfer — findet, versteht sich von selbst. Eine wesentliche Förderung erfährt die katholische Studentenseelsorge in Deutschland durch die sogenannte Akademische Bonifatius-Einigung (Sitz Paderborn), die seit etwa einem Jahrzehnt die religiöse Verliefung -der katholischen Studentenschaft erstrebt durch die Organisation von religiösen Tagungen, Einzelvorträgen und die Zeitschrift „Akademische Bonifatius-Korrespondenz". Leiter der Bewegung ist ein Priester, Dr. Legge in Paderborn. Im Rahmen der Akademischen Bonifatius-Einigung arbeilet auch die seit fünf Jahren bestehende „Religionshochschule" (Silz Elkeringhausen Post Winterberg i. Westf.), deren Leiter ein früherer Studentenseelsorger, Rektor Lutz ist. Die Religionshochschule veranstaltet grundsätzlich keine Einzelvorträge, 120