Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1933)
- Article
- Der Priester in der katholischen Kirche
- Date
- 1933-06-01
- Page
- 119 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Johannes Pinsk: Der Priester in der katholischen Kirche hat dazu geführt, daß neben die eigentliche Pfarrseelsorge mehr und mehr eine Berufsseclsorge getreten ist, die den psychologischen Bedürfnissen und geistigen Interessen der einzelnen Berufe zu entsprechen sucht. Allerdings ist zu bemerken, daß nur eine, und zwar die geschichtlich älteste Form der Berufsseelsorge oen Rahmen der Pfarrgemeinde wirklich sprengt, nämlich die Militärseelsorge. Sie ist die einzige Berufsseelsorge, die auch im kirchlichen Rechtsbuch verankert ist, ohne daß bestimmte Normen für sie aufgestellt werden; ihre Ordnung wird vielmehr in den einzelnen Ländern den besonderen Bestimmungen des Päpstlichen Stuhles vorbehalten. In der Militärpfarrei ist das territoriale Prinzip verlassen, sie ist eine echte PersonalpfarreL Die zu ihr gehörenden sind von* Rechts wegen aus der Pfarrgemeinde ausgegliedert, sie haben ihren eigenen Gottesdienst und sind für bestimmte religiöse Akte auf den Militärpfarrer angewiesen. In Anlehnung an die Militarpfarreien ist auch für andere Berufsgruppen eine besondere Seelsorge eingerichtet worden. Wir haben, um nur einige zu nennen: Akademikerseelsorge, Studenlcnseelsorge, Künstlerseelsorge, Schuposeelsorge, Kcllncrseelsorge, Seemannsseekorgc, Ausländerseelsorge. Aber auf nllen diesen Gebieten bleibt die Beruf sseelaorge insofern eine mehr private, als die einzelnen Gruppen grundsätzlich nicht der Pfarrei entzogen werden. Auch über den Studenten, Akademiker, Kellner usw. behält der eigentliche Pfarrer des betreffenden Territoriums die volle Jurisdiktion. So kann es sich bei all diesen Sonderformen der Scclsorge im wesentlichen nur darum handeln, den besonderen geistigen, gesellschaftlichen und sozialen Interessen in der geistigen Beeinflussung durch Predigt, Vorträge, caritative Unterstützung, gelegentliche Ycreinsgottesdienste Rechnung zu tragen. Hier ist nicht die Vermittlung der Gnade durch die objektive Form der Sakramente und der Meßfeier das Entscheidende, sondern die pädagogische religiös-sittliche Beeinflussung der einzelnen. Am vollendetsten ausgebaut ist in Deutschland wohl die Studenlcnseelsorge. Im allgemeinen ist in jeder Stadt, die eine Universität oder Hochschule hat, ein Sludentenscelsorger bestimmt, der bei kleineren Hochschulen die Sludenlenseelsorge nebenamtlich" versieht, in größeren Städten hauptamtlich für sie freigestellt ist. Die einzelnen Studentenseelsorgcr sind in der Vereinigung der katholischen Studentcnseelsorger Deutschlands zusammengefaßt, die alljährlich eine Konferenz über die aktuellen Fragen veranstaltet Es bedarf keiner Betonung, daß die Studentenseelsorge gerade in größeren Städten, zumal in der 119