Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1933)
- Article
- Der Priester in der katholischen Kirche
- Date
- 1933-06-01
- Page
- 118 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde dem er die Menschheit sich erwählte und sie sich antraute, so wird in der katholischen Kirche weder der Bischof noch der Pfarrer von der Gemeinde gewählt Die kirchliche Gemeinde als solche hat kein Mitbestimmungsrecht; die Bestallung des Bischofs geschieht vielmehr durch den Papst, die des Pfarrers durch den zuständigen Bischof. Ein gewisses Mitbestimmungsrecht ist weltlichen Instanzen durch Konkordate oder durch das sogenannte Palronatsrecht eingeräumt, worauf auf Grund historischer Entwicklung die Regierung eines Landes oder die städtische Behörde oder auch eine Privatperson das Recht haben, dem Bischof einen Pfarrer für eine vakante Pfarrei zu „präsentieren". Die eigentliche Ernennung und Bestallung liegt aber auch in diesem Fall in, der Hand des Bischofs. Die Einsicht in die Bedeutung der Pfarrgemeinde ist von höchstem religiösen Wert. In der Pfarrgemeinde, d. h. in den Gläubigen und dem Pfarrer, die sich zu gemeinsamem Gebet und gemeinsamer Feier des Gottesdienstes versammeln und so eine konkrete Gemeinschaft bilden, wird nämlich die große allgemeine Weltkirche dem einzelnen Gläubigen konkret greifbar, und zwar konkret greifbar in ihrem eigentlichen gnadenhaften Sein als Ecclesia orans et sacrificans, als betende und opfernde Kirche. In dieser Gemeinschaft findet der Katholik nichts anderes als jenen geheimnisvollen „Lebensverkehr", aber gerade dadurch wird auch der Glaube an dessen seinsmäßige Realität geweckt und gestärkt. Wird das Pfarrleben beschränkt, tritt es nicht mehr in seiner eigentlichen gnadenhaften Wirksamkeit zutage, dann wird auch die Kirche mehr und mehr abstrakt, verflüchtigt werden, sie wird zu einer Idee, wie „Menschheit" zu einer bloßen Idee wird, wenn sie nicht immer und immer wieder in Volk, Nation, Staat und Stadt lebendig und konkret begriffen wird. Daher geht gerade in neuster Zeit durch die katholische Kirche — nicht nur Deutschlands, sondern auch Italiens, Frankreichs, Portugals — ein starker Zug, der die Erneuerung und Belebung des Pfarrlcbcns erstrebt und die Zerrissenheit des Pfarrlebens in eine Unzahl von mehr oder weniger wichtigen und frommen Vereinen überwinden will durch die Konzentration auf das Wesentliche der Pfarrei: das Commercium vitae, wie es im Gottesdienste gestaltet wird. Die Erneuerung der Pfarrei als Gnadengemeinschaft liegt so durchaus auf dcmi Wege, den die sogenannte liturgische Bewegung in fast allen Ländern geht.1) Die wirtschaftliche und geistige Vielgestaltigkeit des modernen Lebens *) Vgl. eine Notiz zur „Liturgischen "Woche in Mailand vom a3.—26. Mai 10,3a" („Liturgische Zeitschrift" [Regenslurg Pustet i93i/3al /». Jahrg., Heft 11, S. 456). WZ