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Der Morgen · 1933-06-01 · Heft 2 (Juni 1933) · p. 115

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 2 (Juni 1933)
Article
Der Priester in der katholischen Kirche
Date
1933-06-01
Page
115 (sequence 5)
Language
German
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Johannes Pinsk: Der Priester in der katholischen Kirche schienen ist, gestaltet wird. Das eigentliche Leben der katholischen Gemeinde— wenn man Leben nicht im Sinne von religiös-moralischer, sozial-caritativer Betriebsamkeit faßt — vollzieht sich also in der Spendung und im Empfang der Sakramente, der gemeinsamen Feier des Meßopfers und dem gemeinsamen Gebete. Es ist bezeichnend, daß die katholischen Pfarreien nicht etwa wie die Pfarreien der evangelischen Landeskirche mehrere Pfarrer mit gleichen Hechten kennen, es ist vielmehr ausdrücklich im kirchlichen Gesetzbuch festgelegt, daß jeder Pfarrer nur eine Pfarrei hat, und jede Pfarrei nur einen Pfarrer (Codex Iuris Canonici Can. 46o). So äußerlich diese Bestimmung auch erscheinen kann, so legt sie doch Zeugnis ab dafür, daß die katholische Pfarrei ein reales Abbild jenes erhabenen „Lebensverkehrs" ist, der zwischen dem einen Sponsus (Christus) und der einen Sponsa (Kirche) besteht. Wie Christus selbst durch sein Erlösungsopfer der Welt neues Leben geschenkt hat, aber dieses neue Leben auch als Lehrer gedeutet und als Hirt und Führer die moralischen Konsequenzen aufgezeigt hat, die sich aus diesem neuen Leben ergeben, so haben auch Bischof und Pfarrer nicht nur aie Pflicht, die Diözese bzw. Pfarrei in diesem neuen Leben zu gestalten, sie haben; auch neben der spezifisch priesterltchen Aufgabe der Gnadenvermittlung deir Gemeinde gegenüber die Aufgabe des Lehrers, des Hirten. In dieser dreifachen Funktion erschöpft sich das Wirken des katholischen Priesters seiner Gemeinde gegenüber, solern es den eigen iiichen religiösen Bezirk betrifft. Wenn darüber hinaus der Priester zum sozialen oder politischen Führer seiner Gemeinde wird und in entsprechenden Organisationen tälig ist, so ist das nicht mehr in dem übernatürlichen Charakter dieses prieslerlichen Amtes begründet. Das neue kirchliche Gesetzbuch hat ausdrücklich im Can. 451—470 die Stellung des katholischen Pfarrers dargestellt. Der allgemeine Begriff der Cura animarum, der Seelsorge, der am Anfang dieses Abschnittes steht, wird dann im einzelnen näher erläutert, indem gesagt wird: „Der Pfarrer soll den Gottesdienst feiern, den Gläubigen die Sakramente spenden, so oft sie sie' rechtmäßig fordern; er soll seine Herde kennen lernen, die, die auf falschem1 Wege sind, klug zurechtweisen, die Armen und Notleidenden mit väterlicher Liebe erfassen und besonders große Sorgfalt verwenden auf die katholische Erziehung der Jugend" (Can. 46/ § 1)- „Besonders sorgfältig und liebevoll soll der Pfarrer den Kranken in seiner Pfarrei, vor allem den Sterbenden beistehen, indem er ihnen die heiligen Sakramente spendet und ihre Seelen Gott empfiehlt" (Can. 468 §1). „Sorgfältig soll der Pfarrer darüber wachen, daß in 115

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