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Der Morgen · 1933-06-01 · Heft 2 (Juni 1933) · p. 114

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 2 (Juni 1933)
Article
Der Priester in der katholischen Kirche
Date
1933-06-01
Page
114 (sequence 4)
Language
German
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Die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde Das Geheimnis des Priestertums ist das Geheimnis des bräutliqhen Lebens. Priester sein heißt nämlicjh im katholischen Sinne durch eine besondere Weihe das Christusleben in einem solohen Maße empfangen, daß man auch die zeugenden, lebenspendenden Kräfte Christi (als des Bräutigams) der Kirche (als der Braut) gegenüber ausüben kann. Damit ist die Würde und die Aufgabe des katholischen Priestertums im eigentlichen Wesen gekennzeichnet. Das Priestertum dient nicht zur Vervollkommnung des Priesters, sondern es befähigt zum vollendetsten Dienste an der Gemeinde. Dieser Dienst aber besteht in der Mitteilung des in Christus greifbar gewordenen göttlichen Lebens. In dieser Berufung zum Zeugen in Christus gründet auch zuliefst der Cölibat des katholischen Priesters. In ihm ergreift er bewußt das Zeugen in einer höheren Sphäre als der der menschlichen Geschlechlsgcmeinschaft, in der Sphäre des pneumatischen Christuslebens: der Cölibat ist kein absolutes Nein, sondern ein Ja zu einer höheren Form, wodurch im konkreten Einzelfall die niedere ihre persönliche Bedeutung verliert. Wie sehr das Priestertum nicht auf die eigene Persönlichkeit des Priesters,, sondern auf die Gemeinschaft der Gläubigen hingeordnet ist, ergibt sich daraus, daß kein Priester für sich selbst Priester ist; er ist für seine eigene Person ebenso auf die Tätigkeit eines anderen Priesters angewiesen wie alle übrigen Gläubigen in der Kirche. Aber da, wo-er der kirchlichen Gemeinschaft gegenübersteht, übt er die Zeugungskraft des Sponsus Cliristi aus. Dieses Gegenüberstehen geschieht konkret im Verhältnis des Bischofs zu seiner Diözese, im Verhältnis des Pfarrers zu seiner Pfarrei. Beide Formen sind mit Realität gefüllte Abbilder des Connubium Christi, seines „Lebensbundes^ mit der in der Kirche geformten Menschheit. Weder die katholische Diözese noch die katholische Pfarrei sind bloße Verwaltungsformen, wie etwa ein Regierungsbezirk oder eine Provinz Verwaltungsformen sind. Diözese und Pfarrei stellen vielmehr einen lebendigen Organismus dar, in dem der Bischof bezw. der Pfarrer den Gläubigen das Gottesleben vermittelt, die Gläubigen dieses Gottesleben empfangen und so mit dem Bischof bezw. dem Pfarrer ein Abbild, der Kirche im kleinen sind, indem sie Sponsa CJirisli und Corpus Christi werden. Damit ist auch der tiefste Sinn dessen aufgezeigt, was man Seelsorge nennt. Seclsorge im katholischen Sinne ist keineswegs nur ein moralisches Betreuen oder ein erzieherisches Sichbemühen oder ein intellektuelles oder gemütsmäßiges Bereichern, es ist vielmehr ein objektives Formen dadurch, daß in diesem Kreis von Menschen geheimnisvoll das Gottesleben, das in Christus er- 114

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