Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1933)
- Article
- Der Priester in der katholischen Kirche
- Date
- 1933-06-01
- Page
- 113 (sequence 3)
- Language
- German
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Jobannes Pinsk: Der Priester in der katholischen Kirche das pneumatische Corpus Christi oder, wie man gemeinhin zu sagen pflegt, den mystischen Leib Christi, „mystisch" im Gegensatz zu dem physiologischen Leib Christi. Versteht man den tiefen Sinn und die Realität dieses Pfingstl mysteriums, so versteht man auch die Tatsache, daß der hl. Paulus und die übrigen Offenbarungsschriften des Neuen Testamentes die Kirche als „Leib Christi" und als „Braut Christi" bezeichnen. Wie die Braut dadurch, daß sie das Leben des Bräutigams in sich aufnimmt, mit dem Bräutigam „ein Fleisch" wird, so wird die Kirche, die zunächst als Menschheit in bräutlicher Empfangsbereitschaft für das Goltesleben dasteht, im Empfang und durch den Empfang dieses Gotteslebens ein Leib mit Christus, „von seinem Fleisch und von seinem Gebein" (Ephes. 5, 3o). Nach katholischer Auffassung hat Christus seine Kirche nicht als eine rein innerliche, rein spirituelle Institution, als eine unsichtbare Kirche geschaffen, sondern er hat ihr Organisationsformen gegeben, in denen ihr inneres Geheimnis sichtbar wird, etwa wie die Seele im Leib. Die neuteslamentliche Offenbarung spricht von der Kirche als einem Reich, einer Stadt, einem Bau usw. Diese Formulierungen weisen zweifellos auf Inhalte oder Aufgaben hin, die die Kirche in der Zeillichkeit zu erfüllen hat, aber sie stellen nicht die Grund-" organisationsform der Kirche dar, weil sich in Formulierungen wie „Reich" und „Stadt" und „Bau" eben nicht jenes Commercium vitae ohne weiteres ausdrückt, das die innerste Substanz der Kirche und ihr letztes Fundament bildet. Es muß aber, wenn die Kirche als Ganzes eine sichtbare Kirche sein soll, auch dieser Lebensverkehr" konkret sichtbar werden dadurch, daß Braut und Bräutigam als die Träger dieses Verkehrs auch in der Organisationsform der Kirche einander gegenübergestellt werden.1) Die Kirche kann daher niemals nur in einer Person in Erscheinung treten, weil sie eben in ihrem innersten« Wesen einen „Lebensverkehr" darstellt und dieser Lebensverkehr nur an sich! gegenüberstehenden Partnern sichtbar werden kann. Erst aus diesen Gedankengängen ergibt sich das volle Verständnis für die tiefe Bedeutung der Gliederung von Priester und Gläubigen in der katholischen Kirche. *) Ich brauche nicht zu betonen, daß dieses Braut- und Bräuligamscin hier nicht physiologisch zu fassen ist, weil das physiologische Verhältnis von Braut und Bräutigam die Ide« dieses Verhältnisses keineswegs erschöpft; es kommt auch deswegen nicht in Frage, weil dä» Kirche nicht mehr physiologischer sondern mystischer Leib Christi ist. Es handelt sich vielmehr um eine symbolische Darstellung des Verhältnisses Bräutigam-Braut, was jedoch nicht so aufgefaßt werden darf, als ob die eigentliche Realität des Lebensaustausches fehlte. Sie ist sogar größer als im physiologischen Verhältnis, auch wenn die Form des Austausches eine andere ist. 8 113