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Der Morgen · 1933-06-01 · Heft 2 (Juni 1933) · p. 112

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 2 (Juni 1933)
Article
Der Priester in der katholischen Kirche
Date
1933-06-01
Page
112 (sequence 2)
Language
German
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Die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde Verhältnisses darin liegt, daß beide in einer dem Menschen sonst nicht mehr möglichen vollkommenen Vereinigung ihr konkretes männlich-weibliches Leben verbinden, daß sie in dieser Verbindung, wie es schon im Schöpfungsbericht heißt, „ein Fleisch werden" (i. Mos. i, 2/1), und daß aus dieser Einheit heraus die Fruchtbarkeit des menschlichen Lebens erwächst, dann darf man wohl sagen, daß diese drei Momente in der Menschwerdung des Sohnes Gottes so vollendet realisiert sind, wie es zwischen zwei Menschen nicht möglich ist. Die große Idee des Geschlechtlichen, die in den leib-seelischcn Beziehungen von Mann und Weib nur mangelhaft gestaltet ist, erscheint in dem Connu* bium Christi, in der Einigung von Gottheit und Menschheit in Jesus, in ihrer ganzen Fülle verwirklicht. Da die Menschwerdung des Sohnes Gottes die Grundlage des Christentums und der christlichen Kirche ist, so ergibt sich daraus, daß das letzte Wesen der christlichen Kirche nicht .Gebot und Lehre sein kann sondern ihr tiefstes Geheimnis ist jenes wunderbare Commercium vitae, jener „Lebensverkehr", in dem der Sohn Gottes die menschliche Natur annimmt, um sie mit seinem Leben zu erfüllen. Durch diese Mitteilung göttlichen Lebens wird die christliche Kirche begründet, geformt und vollendet, denn nach christlicher Auffassung ist die Mitteilung des göttlichen Lebens nicht nur auf die eine menschliche Natur beschränkt, die der Sohn Gottes aus der Jungfrau Maria sich zu eigen machte. Die Aufgabe und die Wirkung der Menschwerdung geht weiter, sie betrifft die ganze Menschheit, ja die ganze Kreatur gemäß dem Worte Christi „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, und zwar das Leben in Fülle" (Job. 10, 10). Das Leben in Fülle ist nichts anderes als das unendliche Gottesleben im Gegensatz zum beschränkten geschöpflichen Leben. Dementsprechend vollzieht sich das Commercium vitae zwischen dem Sohne Gottes und der Menschheit nicht nur in seiner individuellen, physiologischen Erscheinung, in der er in Palästina sein Werk vollbrachte, dieses Commercium vitae wird vielmehr in der Kollektivform einer Gemeinschaft fortgesetzt, die grundsätzlich jedem Menschen offensteht. Diese Gemeinschaft ist die Kirche. Sie tritt am Pfingstlage zum ersten Male konkret in Erscheinung, als der in den Himmel Aufgefahrene, zur Rechten des Vaters thronende Gott-Mensch den im Abendmahlssaale zu Jerusalem Versammelten sein Pneuma, seinen Lebensgeist sendet und sie zu einem Organismus zusammenschließt, dessen Lebensprinzip nicht mehr irdisch ist sondern himmlisch, eben jenes Pneuma Christi. Diese Menschen bilden somit eine neue Erscheinungsform Christi, 112

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