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Der Morgen · 1933-06-01 · Heft 2 (Juni 1933) · p. 85

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 2 (Juni 1933)
Article
Der Rabbiner
Date
1933-06-01
Page
85 (sequence 1)
Language
German
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Die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde Das vorliegende Heft des „Morgen" schildert einem lange gehegten Plane gemäß, auf vielseitigen Wunsch die Stellung des Geistlichen in der Gemeinde. Jedes Bekenntnis soll dabei zu Worte kommen. Nach seiner Sonderart und von seiner Lehre aus werden hier Aufgabe und Stellung des Geistlichen in der Gemeinde so geschildert, wie sie geschichtlich geworden sind und wie sie heute in die Erscheinung treten. Die Darstellung des protestantischen Geistlichen kann aus technischen Gründen erst in einer der folgenden Nummern erscheinen. D.S. I. Der Rabbiner von Max Dienemann Man kann von Aufgabe und Stellung des Rabbiners in heutiger Zeit eine rechte Vorstellung nur haben, wenn man das Werden dieses Amtes kennt und seinen geschichtlichen Ablauf überschaut. Der Begriff des „Rabbi" erwuchs einst, noch ohne daß damit eine Amtsbezeichnung verbunden war, als der Tempeldienst seine MittelpunktsteHung in der Seele des jüdischen Volkes einzubüßen begann und die Thora, ihre Auslegung und ihre Anwendung auf die Verhältnisse des täglichen Lebens der andere Brennpunkt des religiösen Lebens wurde. Damals traten neben die den Opferdienst handhabenden Priester, und unabhängig von ihnen, die Männer, die das Gesetz der Thora zum Gesetz des Lebens in allen seinen Verzweigungen auszugestalten hatten. Sie wurden gleichzeilig Gesetzgeber und Richter und zugleich auch die Lehrer des Volkes. Insoweit ein Rabbi Richter sein sollte, erfolgte seine Einsetzung, wie ein Bericht aus dem letzten Jahrhundert vor der Zerstörung des Tempels zeigt, durch das große Synhedrion in Jerusalem, und der Akt der Einsetzung zum Richter und der Verleihung des Titels Rabbi trägt die Bezeichnung „Semichah", d. h. „Stützung" in Anlehnung an 4- B. M. cap. 2 7, V. 18, wo an Mose die Anweisung ergeht, „auf Josua die Hand zu stützen" und ihn so zum Nachfolger zu bestimmen. Die 85

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