Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Dessaus Geschichte der Römischen Kaiserzeit [Rezension]
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 61 (sequence 8)
- Language
- German
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Dessaus Geschichte dar Römischen Kaiserzeil „Judaea und die Juden" aus Galilaea, dessen Bewohner als die sicherste Gefolgschaft der Pharisäer galten, und waren alle Juden. Nun berichten allerdings die Evangelien, daß das offizielle Judentum ihm feinclich geblieben sei und ihn zum Tode geführt habe. Es ist aber unbestritten, daß nur das sadduzäische Judentum, cL i. dasjenige der Priesterschaft, das mit der Tempelzerstörung abstarb, christenfeindlich (Meyer 3,268 u. 652; Dessau 2,786) war, während gerade das pharisäische talmudische, von den Schriftgelehrten fortgeerbte in den Evangelien selbst als zwar im allgemeinen fanatisch, aber doch duldsam gegen das Frühchristentum geschildert wird. Noch im Prozeß des Petrus sprach das Oberhaupt der Schriftgelehrlen weise und menschlich für den Angeklagten. Es war der Nachkomme der führenden Pharisäer, der so sprach, und der Vorfahre der späteren Patriarchen. Man brauchte diese Umstände nicht unbedingt als Beweise für eine hochgesteigerte religiöse Lebendigkeit im antiken Spätjudentum anzusehen. Man könnte sie, wenn sie aliein stünden, als Ausnahmefälle betrachten. Dieser für . ili*. christliche Anschauung gegebene Standpunkt wäre auch für die Geschichtswissenschaft unwiderleglich, wenn wirklich nur Einzelne im Sinne einer solchen religiösen Lebendigkeit gedacht hätten. Das ändert sich dadurch, daß eine große Fülle talmudischer und sonst aus der jüdischen Welt stammender Aussprüche den christlichen Lehren häufig bis zur Wortgleichheit nahe verwandt, sind. Auf diese Tatsache und die Gleichzeitigkeit von jüdischen Sekten, die auch im weltentsagenden Lebensgefühl der christlichen Lehre näherkommen;ils die offiziell-jüdische es tat, ist zu oft hingewiesen worden, als daß es neuerdings geschehen müßte. Die Unterschiede, die zwischen Christentum und Judentum bestanden — besser: sich herauszubilden begannen — sind keinesfalls als Unterschiede der religiösen Lebendigkeit aufzufassen. In diesem Sinne verfügte, wenn man von der Einschaltung einer ausdrücklichen göttlichen Sendung absieht, das judaeische Altchristentum über genau so viel Kräfte, als Judaea ihm zur Verfügung stellen konnte. Es liegt ein leichter Schleier von Tragik über vielen vergeblichen Bemühungen, trotz gründlichster wissenschaftlicher Behandlung und Zielsetzung ein Quentchen christlicher Gläubigkeit der judenfeindlichen Spielart festzuhalten. Die echte L gmalische Geschichtsschreibung wird neben der genetischen immer ihren Wert behalten, aber nicht ebenso die pragmatische in der kritischen Geschichtsdarstellung. In einer außerordentlich sympathischen Weise vermeidet Hermann Dessaus Geschichte der römischen Kaiserzeit solche Klippen. Er greift über Mommsea 6t