Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Dessaus Geschichte der Römischen Kaiserzeit [Rezension]
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 60 (sequence 7)
- Language
- German
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-; dar Judsn seit der römischen Kaiserzeit durch- \.ri'.-_:x,:.ü e s Cb.r*;:intma die absndlsadische Welt eroberte, kam das '.l-j-üi imnicr mehr ins Einlertreffen und wurde sich schließlich — viel später — selbst zum Problem. Die kirchliche Doktrin und das christliche Volkscmpfinden einer späteren Zeit hat gerade hierin das göttliche Verdammungsurteil über die Juden erblickt. Aber nur im Sinne der Weitläufigkeit kann der Erfolg als Zeugnis angeführt werden. Die religiös bedürftige aber völlig unentwickelte spätrömische Sklavenwelt ergriff das Judentum in einer Form, die ihm in geschickter, verdienstlicher, schöpferischer Weise dargeboten wurde. t>amit ist für das Frühchrislentum sehr viel gesagt, aber gar nichts gegen das Spätjudentum. Die Lebensimpulse des jugendlichen Frühchristentums und des gereiften Spätjudentums sind nicht zu vergleichen. Dort eine unbedenkliche, Hinderungen überwindende Expansionskraft, sehr bald unterstützt von der vollen Staatsautorität, hier eine bedenkliche, wägende, seit Alters zur Abwehr genötigte Vorsicht. Mit der Lebendigkeit des religiösen Gefühls haben diese Unterschiede nichts zu tun. So findet man, von der römischen Kaiserzeit aus vor- und rückwärts blickend, manche Anhaltspunkte, die die Auffassung zu belegen scheinen, daß das Judentum von seiner Formenlast erdrückt wurde. Man kennte die angeführten Umstände mit Eduard Meyer in diesem Sinne auslegen. Aber gerade die Geschichte des Frühchristentums, die doch eigentlich bei Meyer zur "Rede sieht, verbietet diese Auslegung. Wenn im allgemeinen das menschliche Gefülilsleben durch die tatsächlichen LebeiisäufSeruugen ebenso verdeckt wie verdeutlicht wird, so läßt doch gerade das Judaea in der Zeit Cliristi in seiner historisch-tatiächlichen Kümmerlichkeit unter großem literarischem Produktionsdrang einen Blick hinter die Zufälligkeit der tatsächlichen Gestaltungsform werfen. Ein vergleichender Seitenblick auf näherlicgcnde Zeiten ist lehrreich: was wüßten wir von dem Charakter der europäischen Nationen, wenn wir nur die Tatsachen des 19. Jahrhundert; und nicht auch die Literaturen des 17. und 18. kennten! Für das geistige Leben Judaeas ist zunächst die Tatsache der Entstehung des Christentums selbst bezeichnend. Die Gestalt Christi als solche muß dabei außer Betracht bleiben, denn: war sie göttlichen Ursprungs, so ist sie nicht repräsentativ für die menschlichen Verhältnisse, in denen sie lebte; war sie aber menschlichen Ursprungs, so ist sie für unsere Zusammenhänge durch seine Jünger ausreichend ersetzbar. Seine ersten und treuesten Jünger kamen 60