Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Deutschjüdische Bauernsiedlung?
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 45 (sequence 4)
- Language
- German
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Deutsehjüdische Bsucrns:edluag? ob noch wirklich Sliilionen Deutscher Platz auf einer völlig parzellierten landwirtschaftlichen Flache in Deutschland haben. Tatsächlich werden auch bei gulsm Willen, infolge der klimatischen und Bodenverhältnisse vor allem im deutschen Osten, niemals dieselbe Anzahl Bauernbelriebe gegründet und erhalten werden können, wie etwa im deutschen Westen und Süden. Es muß festgestellt werden, daß ein erheblicher Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche sich nicht für Bauernbetriebe eignet, sondern nur für forstwirtschaftliche oder großagrarische, weil er eben infolge ungünstiger Bodenverhältnisse nur für Getreide- und Forstbau in Frage kommt, nicht aber für Gemüseui.-J Obstbau. Dazu kommt, daß der deutsche Osten, ohne Industrie und ohne die 'Bevölkerungsdichte West- und Süddeutschlands, nicht dieselben günstigen Absatzverhältnisse für Veredelungsproduktc hat, mindestens solange die Verkelirsverhällnisse dort nicht grundlegend geändert sind. Faßt nun das Land dort noch Millionen Menschen, wie man es häufig zu glauben scheint? Nein. Nach dem Reichssiedlungsgesetz von 1919 soll ein Drittel der Betriebe über 100 Hektar parzelliert werden. Das würde etwa 1,7 Millionen Hektar für die Siedlung frei machen. Von 1919 bis ig3i wurden bereits knapp 5o 000 neue Siedlerstellen geschaffen, dazu über 85000 Anlegersiedlungen (Siedlungen, in denen Landarbeiter zu ihren Deputaten und dergleichen Landzugabe bekommen, damit ein selbständiges Bauerngut entsteht), wofür insgesamt etwa 626000 Hektar benötigt wurden. Wenn man sich aber über das Reichssiedlungsgesetz hinwegsetzt und wenn man alle Güter über 20 Hektar, also den gesamten großbäuerlichen und großagrarischen Besitz parzellieren würde — was, wie ausgeführt, wirtschaftlich nicht möglich sein dürfte —, so würden etwa 11 Millionen Hektar für die Siedlung in Frage kommen. Wenn man nun einen Durchschnitt von etwa 12 Hektar für die neuen Siedlerstellen annimmt — der etwa der bisherigen Übung entspricht —, so wäre rein rechnerisch Platz für etwa 900 000 Siedlerstellen auf dem dann völlig aufgeteilten Großgrundbesitz. Zunächst würde natürlich den 218000 bisherigen Großgrundbesitzern die Möglichkeit geboten werden müssen, Land im Umfange wenigstens einer Siedlerstelle zu behalten. Wenn man nun weiß, daß allein das männliche ständige Personal auf dem Großgrundbesitz (also vom Landarbeiter bis zum Verwalter) — völlig abgesehen von dem nichtständigen Personal, etwa den Wanderarbeitern, und völlig abgesehen von dem weiblichen ständigen Personal — knapp eine Million Menschen beträgt, alles Leute, denen vor allem Siedlerstellen reserviert sein müssen, weil ja sie 45