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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 43

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Deutschjüdische Bauernsiedlung?
Date
1933-04-01
Page
43 (sequence 2)
Language
German
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Ernst Holzer: D^ulschjüdische Bauernsiedlung? nicht nur von der jüdischen Jugend, sondern von den deutschen Juden überhaupt in einem Umfange erhoben werden, der, nach Ansicht des Verfasser», weit über das Realisierbare hinausgeht und verderbliche, weil absolut irrige Hoffnungen erweckt. Im folgenden soll daher untersucht und verdeutlicht werden, welche Aussichten und welche Möglichkeiten die B< rufsurrcchichtung zur Landwirtschaft für jüdische Menschen in Deutschland hat IL Zunächst haben wir uns, wenigstens oberflächlich, darüber klar zu werden, wie überhaupt die agrare Situation in Deutschland heute ist. Deutschland hat eine landwirtschaftlich genutzte Fläche von fast 26 Millionen Hektar. Davon entfällt etwa die Hälfte (46,60/0) auf großbäuerlichen und Großgrundbesitz, während die andere, und zwar die größere Hälfte (53,4°/o) auf kleinst- und kleinbäuerlichen Besitz entfällt. Die großagrarische Hälfte zerfällt in über 218000 Betriebe, während die bäuerliche Hälfte in über 4878000 Betriebe zerfällt. Das Verhältnis von großagrarisclien zu bäuerlichen Betrieben ist also wie 4>3:o,5,7. Auf der großagrarischen Hälfte leben nun 2 730000 Menschen (190/0 aller in der Landwirtschaft tätigen), während auf der bäuerlichen Hälfte 9 38o 000 Menschen (8i°/o) leben. Diese Ziffern, die der Betriebs- und Berufszählung von 1925 entnommen sind, haben sich im wesentlichen seit einem hall>en Jahrhundert und länger nicht verändert. Während die industrielle und gewerbliche Wirtschaft in dieser Zeit einer Umwälzung von allergrößtem Ausmaß imterworfen war, ist die landwirtschaftliche Boden- und Arbeitsverteilung absolut unberührt, stagnierend geblieben. Hieraus ergibt sich mit beachtenswerter Klarheit: was die Zahl der in der Landwirtschaft überhaupt tätigen Menschen anlangt, so ist Deutschland zu mehr als vier Fünftel ein bäuerliches Land. Was aber die Bodenverteilung anlangt, so ist Deutschland zu fast der Hälfte ein großagrarisches Land. Dieses Mißverhältnis zwischen Bodenverteilung und Betriebsorganisation oder, anders ausgedrückt, zwischen Menschendichtc und Menschenleere, ist das Eine, was den ungesunden Zustand in Deutschlands Landwirtschaft ausmacht. Das Andere ist die Divergenz zwischen den ökonomischen Interessen des Großgrundbesitzes und des Bauerntums. Der Großgrundbesitz ist nämlich einseitig auf Getreideuiid Hackfrucht-Bau eingestellt; von dem in Deutschland auf den Markt gebrachten Roggen etwa — die Hälfte des in Deutschland erzeugten Getreides ist 43

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