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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 47

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Deutschjüdische Bauernsiedlung?
Date
1933-04-01
Page
47 (sequence 6)
Language
German
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Deutsc?ijü<ilsche Bauernsiedhmg? Man könnte nun sagen, daß der WiIIe; wenn er vorhanden wäre, eben trotzcbra ein paar tausend Juden zu bäuerlichen Siedlern machen kann. Selbst wenn man annehmen möchte, daß die Behörden, die Städter an und für ach kaum berücksichtigen können, solange aus der Landwirtschaft kommende Menschen noch landlos sind, trotzdem ausgerechnet jüdische Stadter berücksichtigen würden, so erlieben sich dem gegenüber nun folgende Einwände: Professor Käthe Bauer-'lengelberg spricht in ihrem 1930 erschienenen Buch „Agrarpolitik, ihre Theorie, Geschichte und aktuelle Problematik" von den „Widerständen, die die agrare Produktionsweise der Anwendung kapitalistischer Wirtschaftsprinzipien entgegensetzt". Tatsächlich kann man bei der bäuerlichen Arbeit, was ihren ungeheueren Umfang, den Grad der Anstrengung, der physischen und psychischen Inanspruchnahme des Landwirts tuilangt, niemals davon sprechen, daß der Aufwand in kapitalistischem Sinne den Ertrag lohnt Es ist wirklich so und wird wahrscheinlich immer so sein, daß ein so ungeheuerer Aufwand an menschlicher Kraft im industriellen oder gewerblichen Betrieb sich vielfach besser lohnen würde. Ich bezweifle es, daß jüdische Menschen, ebenso wie übrigens Städter überhaupt, in der Lage sind, als Bauern eine so „unrentable" Arbeit zu feisten. Dazu kommt ein weiteres: die Bearbeitung der Scholle, die Abhängigkeit von Sonne und Regen, die ganze Eigenart der agraren Produktion müssen den Bauer notwendig zu einem Gefühlsmenschen, oft zu einem Romantiker, Mystiker, machen. Der Jude ist von Haus aus Rationalist, Realist. Er ist daher, ebenso wie wieder der Städter im allgemeinen, keinesfalls etwa zum Bauer prädestiniert. Alle die sonstigen aktuellen Schwierigkeiten, wie sie in der politischen und sozialen gegenwärtigen Lage begründet sind, sollen hier nicht im einzelnen erwähnt werden. Selbst wenn sie alle fortfallen, wenn etwa die bäuerliche Landwirtschaft nicht mehr durch eine großagrarisch orientierte Agrarpolitik ruiniert wird, wenn es keinen Antisemitismus mehr gibt, der dem Juden das AJleinwohnen auf seinem Hof zu einer Qual, vielleicht zu einer Unmöglichkeit macht, selbst dann bleibt die Erkenntnis, daß für wesentliche Massen deutscher Juden die Landwirtschaft nicht als neuer Lebensraum in Frage kommt. V. Nicht behandelt worden ist die Frage, ob Juden, die noch etwas Geld haben, dar Erwerb und die Bewirtschaftung von großen Gütern empfohlen 47

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