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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Henri Bergsons Ethik und Religionsphilosophie
Date
1933-04-01
Page
24 (sequence 5)
Language
German
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Ernst Cassircr sia wird; und sie läßt sich nicht anders als in diesem ihren Werden, in ihrer Unruhe, in ihrer inneren Lebendigkeit sichtbar machen- Denn sie ist nicht lediglich ein Band, das die Einzelwillen umschlingt, und das sie fest miteinander verknüpft, sondern sie ist ein stets aufs neue aus unbekannten Tiefen hervorbrechender Impuls, der nach vorwärts weist und nach vorwärts treibt Diese dynamische Moral und dizzz dynamische Religion ist nach Bergson das eigentliche Quellgebiet des Sittlichen — ist der Ursprung, in den es immer von neuem eintauchen und aus dem es sich ständig neu gebären muß. Die statische Religion ist die Religion und Moral der Erhaltung, die dynamische ist die Moral der Erneuerung. Alles Gewordene muß nach Erhallung streben, muß sich mit klammernden Organen an der Welt des Gegebenen halten, muß sich im Sein festzustellen und in ihm zu behaupten suchen. Und doch stellt dieser Drang zur Selbstbehauptung nur ein Moment und gleichsam nur den einen unentbehrlichen Lebenspol innerhalb des sittlichen und religiösen Daseins dar. Denn im Willen zum Sein, zum Bestand und Fortbestand, drückt sich gewissermaßen nur die Materie des Lebens aus: die ihm innewolinende Kraft der Beharrung, die aber zugleich eine Kraft der Trägheit, eine vis inertiae ist. Was dieser Trägheil gegenübersteht, was sie ständig überwinden muß, was der einzigpositive Ursprung der Bewegung ist: das ist die reine Schwungkraft des Lebens, das seinem eigentlichen Wesen nach nichts anderes als diese Kraft selber ist Diese Schwungkraft ruht nicht, bis sie alles nur-Gegebene und nur-Bestehende wieder in sich aufgenommen und in sich zurückgenommen hat: sie greift es in seinem Bestände an, um anstelle dieses Bestandes die Wiedergeburt und Neugeburt, die schöpferische Entwicklung zu setzen. Man sieht jetzt, welche Umbildung und Umsetzung, welche eigentümliche Transposition die Grundbegriffe von Bergsons Naturphilosophie bei dem Fortgang zu seiner Ethik und zu seiner Religionsphilosophie erfahren haben. Er hat diese Begriffe nicht aufgegeben; er hat das Gerüst, das dem Aufbau seines metaphysischen Systems diente, nicht abgebrochen und nicht wesentlich abgeändert. Und doch strömt jetzt, aus der Betrachtung des sittlichen und des religiösen Lebens, ein neuer Gehalt in dieses System ein. Denn dio Polarität, die innere Gegensätzlichkeit, die Dialektik, die" Bergson innerhalb des Sittlichen und des Religiösen zeigt, ja die er als den eigentlichen Kern beider aufzuzeigen sucht, muß jetzt auch auf die Fassung und auf die Bestimmung seiner naturphilosophischen Kategorien zurückwirken. Bergsons Naturphilosophie gipfelt darin, im Forlgang des Lebens bestimmte Grund- 24

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