Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Über die Abstammung der Juden
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 10 (sequence 8)
- Language
- German
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B. Brutzkus Der jüdische Proselytismus beginnt mit der babylonischen Gefangenschaft und dauert solange, bis die neuen Weltreligionen ihm endgültig den Weg gesperrt haben. Im Römischen Reich ging die jüdische Propaganda sehr lange der christlichen parallel Erst als die katholische Kirche nicht nur über das Heidentum, sondern auch über den Arianismus siegte, hat sie es unternommen, das jüdische Proselytentum gänzlich auszuschalten. In Mesopotamien und Persien war das jüdische Proselytentum noch vorher durch den Sieg der Religion Zoroasters unter den Sassaniden ausgeschaltet. Allenfalls dauerte die Periode des jüdischen Proselytentums etwa eintausend Jahre. Doch auch im frühen Mittelalter hat es nicht völlig aufgehört. Besonders oft bekehrten die Juden ihre Haussklaven. An der Peripherie der Kulturwelt ist es damals den Juden sogar gelungen, hie und da die herrschenden Klassen zu bekehren und auf diesem Wege judaisierle Staaten zu bilden. So bestand ein judaisierter Staat im VI. Jahrhundert in Jemen, im X. Jahrhundert in Abessinien, und die bemerkenswerteste Erscheinung war das Bestehen des judaisierten Chazarischen Staates im Süd-Osten der russisschen Ebene vom VIII. bis X. Jahrhundert. Es genügt, das Verhältnis der spanischen Juden zu der Bekehrung eines ihnen rassenmäßig so fremden türkischen Volkes, wie die Chazaren es waren, aus ihrer Literatur kennen zu lernen, um zu verstehen, welchen großen Wert sogar noch die mittelalterlichen Juden auf das Proselytenmachen legten. Bei dem Überwiegen der Diasporajuden über die palästinensische Judenheil seit der babylonischen Gefangenschaft haben wir keine stichhaltigen Gründe, zu behaupten, daß die modernen Juden gerade die Nachkommen derjenigen Juden seien, die beim Bestehen des zweiten Tempels in Palästina ansässig waren. Die modernen Juden könnten auch von den damaligen durch und durch mit Proselyten vermischten Diasporajuden abstammen. Und es ist sogar höchst wahrscheinlich, daß die modernen Juden hauptsächlich von der damaligen Diaspora-Judenheit abslammen, denn bei den Aufständen unter den Kaisern Vespasian und Hadrian wurde die palästinensische Judenheit zum weitaus größten Teil vernichtet. Ihre Überreste in Palästina wurden unter dem byzantinischen Kaiser Heraklius endgültig ausgerottet. Nach der Vernichtung der palästinensischen Juden, zerfiel die Judenheit in zwei Teile, die anthropologisch verschieden waren. Nördlich von Palästina befand sich der zahlenmäßig stärkere Teil der Judenheit, in der das vorderasiatische Blut der Proselyten über das orientalische Blut der alten Juden dominierte. Es muß in Betracht gezogen werden, daß außer Peloponnes und Attika die Bevölkerung der Balkanhalbinsel 10