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Der Morgen · 1933-04-01 · Heft 1 (April 1933) · p. 9

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Journal
Der Morgen
Volume
9 (1933-1934)
Issue
Heft 1 (April 1933)
Article
Über die Abstammung der Juden
Date
1933-04-01
Page
9 (sequence 7)
Language
German
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Ober die Abstammung der Juden Stellung von der Ausdehnung und den Erfolgen der jüdischen Propaganda zu geben, genügt es, hier zwei Zeugnisse anzuführen. „Auch die Massen", lesen wir in der Schrift Flavius Josephus, „Contra Appionem", sind schon seit langem von einem starken Eifer für unsere frommen Bräuche ergriffen, und es gibt keine einzige Stadt bei den Griechen, keinen Stamm unter den Barbaren, wo unsere Gewohnheit der wöchentlichen Ruhe, wo das Fasten, das Anzünden von Lichtern und viele andere Gesetze in betreff der Speisen nicht erfüllt werden... So wie Goit sich über die ganze Welt verbreitet hat, wandert das Gesetz unter den Menschen. Soll jedermann sein Vaterland und seine Familie prüfen, und er wird meine Worte nicht bezweifeln." So spricht ein Jude. Vielleicht hat er aber die Absicht, vor den Heiden mit den Erfolgen des Judentums zu prahlen. Um diesen Zweifel zu beseitigen, bringen wir auch das folg vide Zeugnis von Scncca, der den Juden alles andere als günstig gesinnt war: „Inzwischen", schreibt er, „ist der Brauch dieses durch und durch verbrecherischen Volkes so erstarkt worden, daß er schon in allen Tündern angenommen ist; die Besiegten schreiben ihre Gesetze den Siegern vor". Seneca schrieb diese Worte unter Nero, lange vor Flavius Josephus, zu einer Zeit, als die christliche Propaganda noch kaum eingesetzt hat. I>ie jüdische Propaganda war besonders dadurch begünstigt, daß außer einer kurzen Periode unter Hadrian die jüdische Religion im Römischen Reich niemals verboten war. Es ist selbstverständlich, daß bei einem solchen Erfolg der jüdischen Propaganda die Zahl der Juden in der Diaspora sehr schnell wuchs. Es ist sicher, daß seil der babylonischen Gefangenschaft die Zahl der Juden in der Diaspora bedeutend höher war als die der Juden in Palästina. In den Ostprovinzen des Römischen Reiches und auch in Mesopotamien bildeten die Juden einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung: z. B. im ersten Jahr n. Chr. zählte man in Ägypten eine Million Juden bei 71/? Millionen Einwohnern. Die Juden waren im Osten so zahlreich, daß sie unter dem Kaiser Trajan einen Aufstand gegen die Regierung, aber auch gegen die Heiden in Cyrenaika, Ägypten, Cyper« und Mesopotamien wagen konnten. „Die ganze Welt wurde erschüttert", berichtet darübei Dion Cassius. Eine so zahlreiche jüdische Bevölkerung konnte nur dank den Erfolgen des Prosclylenmachens entstehen. Es ist kennzeichnend, daß fast überall in der Diaspora des Römischen Reiches die Juden griechisch sprachen und nicht aramäisch, das damals in Palästina gesprochen wurde. Die Übersetzung der Hibel ins Griechische ist also für die Juden eine zwingende Notwendigkeit gewesen. 9

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