Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 9 (1933-1934)
- Issue
- Heft 1 (April 1933)
- Article
- Über die Abstammung der Juden
- Date
- 1933-04-01
- Page
- 8 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ß. BruUlus stark beteiligten und auf diesem Gebiete bedeutende Erfolge aufzuweisen hatten. Selbstverständlich aber mußten .ihnen diese Erfolge auch fremdes Blut zuführen. Leider scheint auch für sehr verdiente Anthropologen die Bibel die einzige Quelle ihrer Kenntnisse von jüdischer Geschichte zu sein.. Man ist dabei der Ansicht daß seit dem Kampf Es ras gegen die Mischehen jegliche Beimischung vom fremden Blute im Judentum urmogUch gemacht wurde. In Wirklichkeit war der Kampf Esrcs gegen die Mischehen nur eine kurze Episode und hatte keineswegs eine so entscheidende Bedeutung. Die Ideen Esras wurden sogar in Palästina selbst noch überwunden. Bei dem Ausbruch des jüdischen Aufstandes gegen die Syrer war lediglich Jerusalem und seine Umgebung endgültig judaisiert. Die Politik der Chasmonäer bestand darin, daß sie einen Gau Palästinas nach dem anderen eroberten und die Bevölkerung dazu veranlnßlen, freiwillig oder unter Zwang sich zum Judentum zu bekehren. So haben die Chasmonäer Philistäa, Galiläa, Peräa ihrem Reiche einverleibt. Ganze Völkerschaften, wio Edom im Süden und Iluräc-r im Norden, ließen sich dabei zum Judentum bekehren. Es ist auch ein Mißverständnis, zu glauben, die jüdische Diaspora beginne erst mit der Zerstörung Jerusalems durch Titus. Sie beginnt Coo Jahre früher mit der babylonischen Gefangenschaft. — der Wiederaufbau des Tempels bedeutete gar nicht die Ilückkchr aller Juden nach Palästina. Und gerade die Diaspora war damals besonders stark auf das Prosclytentum eingestellt. Schon in der Bibel finden wir Seiten, die vom Geist des Proselytentums vollkommen erfüllt sind; es genügt hier nur auf das Buch des Propheten Jona hinzuweisen. Die ganze große jüdisch-griechische Literatur war apologetisch und prosely tisch eingestellt. Nach Philos Meinung soll die erste Übersetzung der Bibel ins Griechische (die Septuaginta) für die Zwecke des Proselylcnmachens unternommen worden sein. „Der Herr hat die Juden zerstreut, um das Prcselytentum zu erleichtern", lesen wir im Talmud (Pesachim 87a). Die Formen der Aufnahme von Proselyten waren im Talmud reglementiert. Viele große Talmudgelehrte stammen nach der historischen Überlieferung von Proselyten ab; auch der Übersetzer der Bibel ins Aramäische, Aquila, war Proselyt. Die Zeugnisse über die Erfolge der jüdischen Propaganda sind außerordentlich zahlreich. Wir berufen uns hier auf die Schriften Schürers („Die Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesus Christi") und Jean Justers („Les juifs dans Vempirc Romaine". Paris 191 wo das ganze einschlagige Material ausgezeichnet zusammengestellt ist. Um dem I,cser immerhin eine gewisse Vor- 3